Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 09:07 Uhr    PDF Drucken E-Mail
seit1908.at-Betreiber Martin Sigl: 'Unser Präsident hat auf die LASK-Fans öffentlich eingedroschen'
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Blog - Ö-Bundesliga

martin siglEs war sicherlich schon einmal leichter, Fan des Linzer Athletiksportklubs zu sein. Der Mitgründer der Black Buccaneers '07, Martin Sigl, ist es trotzdem schon seit Ewigkeiten. Und gerade in den weniger guten Zeiten muss ein Fan eben tun, was ein Fan tun muss. Er spricht im Interview über das Fanprojekt seit1908.at, die Beziehung zu Blau-Weiß und was sich beim LASK ändern muss.

Von Georg Sander

 

Stell uns kurz mal das Projekt seit1908.at vor!

Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde Seitens der Medien, aber vor allem von unserem Präsidenten gerne öffentlich auf die LASK-Fans eingedroschen. Natürlich gab und gibt es nach wie vor Fans die sich einfach nicht benehmen wollen. Davon distanzieren wir uns entschieden. Zu dieser Zeit wurde aber gerne verallgemeinert und sanktioniert, was immer wieder ein schlechtes Licht auf die gesamten LASK-Fans warf. Eines Tages saßen wir Fancapos, ich als Mitgründer der Black Buccaneers, an einem Tisch und hatten die Idee eine Seite zu erstellen, wo die Fans zu solchen Dingen eben Stellung nehmen können. Von der anfänglichen Euphorie um dieses Projekt war aber nach relativ kurzer Zeit bereits nur noch wenig zu merken. Die Arbeit und der Aufbau blieb an den selben zwei, drei Gesichtern hängen. Wir erkannten zudem ein Potential in diesem Projekt. Mit einer seriösen Berichterstattung um unseren Verein - die es auf der offiziellen Homepage nie gab und so auch nie geben wird - wollten wir Informationslücken schließen und eine breitere Masse ansprechen, ohne aber den Grundgedanken zu verlieren. seit1908.at verbindet also anders als die meisten Vereinsfanpages den redaktionellen Schwerpunkt und die Präsentation der eigenen Fanszene. Letzter Punkt wird und muss aber in den nächsten Wochen noch weiter ausgebaut werden.

 

Wie teilt sich die Arbeit bei seit1908.at auf?

Unser derzeitiges Team besteht aus zwei Administratoren, drei Redakteuren, zwei Bloggern sowie zwei Fotografen. Bei den Redakteuren gibt es keine Rollenverteilung. Jeder macht alles. Wir haben außerdem vor kurzem einen Verein gegründet, der kurzfristig dafür gedacht ist, unsere Plattform zu unterstützen. In weiterer Folge möchten wir mit diesem Verein und dem Geld das damit lukriert wird, wiederum die Fanszene unterstützen. Diese Sparte bildet natürlich einen erheblichen Mehraufwand, wonach wir nun einen weiteren Kollegen dafür in unsere Reihen aufgenommen haben. Prinzipiell war es eher so gedacht, dass die Fans ihre Beiträge selbst verfassen und uns zusenden, sprich, dass wir als Plattform einfach die Einträge verwalten und gegebenenfalls korrigieren. Doch dieses Konzept wurde bisher noch gar nicht in Anspruch genommen. Die tatsächliche Unterstützung der Fans, direkt an seit1908.at mitzuarbeiten, wird aber immer besser.

 

Wie andere Fanportale auch, könnt ihr Dinge offen ansprechen. Da gab es in den letzten Jahren einige brisante Themen. Beginnen wir mal weiter hinten. Wie beurteilst du mit zehn Jahren Abstand die finanzielle Gesundung unter Peter Michael Reichel?

Ist der LASK denn überhaupt "gesundet"? Wir glauben nicht. Natürlich hat Reichel damals auch seinen Beitrag dazu geleistet damit der LASK weiterleben konnte. Für die Gesundung, von der wir hier aber reden, waren andere Herren mitverantwortlich, die über die Jahre beim LASK peux-a-peux vergrault wurden. Eigentlich hätte der LASK hier in Oberösterreich die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft. Tolle Kontakte in die Wirtschaft und Politik, sogar befruchtende Kooperationen mit namhaften Klubs wären/waren möglich. Von der unglaublichen Anzahl an Fans in ganz Österreich ganz zu schweigen. Dass der LASK unter diesen Umständen so brach liegt, ist eigentlich ein Armutszeugnis. So als würde man eine Trafik am Linzer Hauptplatz nicht zum Laufen bringen. Von den Nuller-Jahren werden die schwarz-weißen Fans noch jahrzehntelang nur mit Kopfschütteln sprechen.

 

Nach langen Jahren habt ihr den Aufstieg unter Karl Daxbacher wieder geschafft. Nach dem erfreulichen 6. Platz begannen die skurrilen Trainerentscheidungen, einige waghalsige Transfers. Ist der Schuldige der ehemalige Retter Reichel oder waren es auch die Spieler, die keine Leistung mehr brachten und erst unter Hans Krankl wieder wachgerüttelt wurden?

Oberflächlich gesehen tragen die Spieler die Schuld, wenn es sportlich nicht läuft. Immerhin wird ihnen Geld bezahlt damit´s läuft. Aber genauer betrachtet muss man den handelnden Personen, die für Kaderplanung usw. verantwortlich sind, einen Vorwurf machen. Der LASK hatte in der Aufstiegssaison eine überdurchschnittlich alte Mannschaft und bekam mit Christian Mayrleb routinierte Verstärkung für die Bundesliga. Nachdem wir Trainer Daxbacher unnötig verloren hatten wurde die komplette Mannschaft ausgetauscht. Von einem Konzept, auf mehrere Jahre eine Mannschaft entstehen zu lassen, wurde beim LASK bisher nur groß geredet. In Wahrheit haben wir jedes Jahr ein komplett neues Team. So ist es einfach schwierig Erfolg zu planen. Unser Präsident glaubt aber immer noch fest daran, dass, wenn der LASK soviel Geld wie Sturm Graz oder Rapid hätte, Platz drei mitgespielt werden könnte. Sicher - mehr Geld ist immer hilfreich. Mit einer ordentlichen, fußballgerechten Ausrichtung eines Vereines, kommt man aber auch mit geringerem Einkommen ans Ziel. Beispiele dafür gibt es ja genügend in der Bundesliga.

 

Hamann wäre wohl richtiger gewesen, als Kraft. Was dachte sich da der Fan, was waren die Hintergründe des Rauswurfs kurz vor Rückrundenstart?

Matthias Hamann hatte vor allem bei den Fans ein irrsinnig gutes Standing. Er war der erste Trainer der Ära Reichel überhaupt der soetwas wie eine Philosphie verkörperte. Die Mannschaft pflegte den "Vorne hui - Hinten pfui"-Stil, was aber den Fans nichts ausmachte, weil das Team am Platz gerackert hatte. Hamann ist aber einer mit klaren Vorstellungen und er weiß wie er seine Ziele erreichen kann. Das querte oft die Ideen unserer Vereinsführung was denen so natürlich gar nicht gefiel. Er hat uns in einem Interview verraten, dass beim LASK das Marketing vor dem Sport steht. Das habe er nicht nur einmal erfahren müssen und so sei professionelles Arbeiten nicht möglich. Zur unrühmlichen Trennung kam es laut unseren Informationen dann nach dem Trainingslager, als Hamann seinem Team am letzten Tag des Trainingslagers eine Partynacht durchgehen ließ. Da sah unser Präsident dies als Chance um die angespannte Zusammenarbeit lösen zu können.

 

Der Abstieg wurde Realität, trotz "Schoko-Tabelle". Die Hinrunde war spielerisch, freundlich ausgedrückt, mau. Ist Schachner der Mann, der beim LASK wieder die Hütte voll machen kann? Der Aufstieg ist wohl vom Tisch, Altach scheint durch.

Hey, hey...nur die Ruhe! Vom Tisch ist hier noch gar nichts! Wir haben einen guten Kader, der den Aufstieg durchaus schaffen kann. Gewinnen wir die erste Partie gegen Altach ist alles wieder offen. Aber zugegeben, mit der Leistung der Hinrunde ist das unmöglich. Ich verwehre mich aber, bereits jetzt den Aufstieg abzuschreiben. Es ist noch alles möglich. Es kann aber auch sein, dass ich ein unverbesserlicher Optimist bin. Zu Trainer Schachner: In der letzten Saison fehlte eindeutig eine Struktur im Spiel des LASK, die kam mit Schachner endlich wieder zurück. Nun ist aber das Spiel des LASK oft zu berechenbar und schwerfällig. Hätte unser Team ihre Chancen aber besser genützt, würden wir sicher besser dastehen. Aber warum sollen nicht auch wir mal eine Serie starten? Das Herz dazu hat unser Team auf alle Fälle.

 

seit1908_screenshotSollten die Verantwortlichen auf einen jungen, unverbrauchten Trainer setzen um wieder Feuer zu entfachen?

Wenn man das Beispiel der Admira sieht - mit Schachner waren sie schon auf einem guten Weg. Mit Kühbauer wurde die Mannschaft aber noch besser. Kühbauer hat vor allem die Jungen mehr gefördert und in die Pflicht genommen. Diese Frage stellt sich aber bei uns derzeit eigentlich nicht. Prinzipiell würde ich es der Vereinsführung auf jeden Fall ans Herz legen, zukünftig auf jüngere Trainer zu setzen, wie es Hamann war oder vielleicht auch Ivica Vastic hätte sein können.Wir befinden uns aber im Hier und Jetzt und da scheint mir ein Gedanke an einen Trainerwechsel eher unpassend.

 

Ried ist an euch vorbei, die besten Oberösterreicher gehen dort hin, Red Bull hat euch eine Filliale vor die Nase gesetzt und Blau Weiß spielt unter Weissenböck auch gut mit. Wie wertvoll ist aber der "SKV" für euch?

Der "SKV" existiert für uns LASKler seit 1997 nicht mehr. Das Linzer Derby an sich ist natürlich etwas Großartiges, was auch eine Ebene höher durchaus für ganz Österreich ein Gewinn an Attraktivität wäre. Als Fanplattform ist die Berichterstattung um diese vier Duelle quasi das Um und Auf und man merkt, das ganz Linz - nein, ganz Oberösterreich - wie gefesselt von diesen Duellen ist. Aber bei all der Brisanz - ich persönlich kümmere mich außer natürlich zu den Derbys selbst - nicht wirklich darum wie es bei Blau-Weiß zugeht. Ich weiß, dass sie nur vier Punkte hinter uns auf Platz vier stehen, aber das war´s dann auch schon.

 

Wie würdest du die Beziehung zwischen "Voestlern" und "Athletikern" auf Fanebene beschreiben?

Der Eine gönnt dem Anderen gar nichts. Also absolut normal! Was mir meine Erfahrungen zeigt ist, dass viele LASK-Fans auch Blau-Weiß-Fans in ihrem näheren Freundeskreis haben und umgekehrt. Man zieht sich gerne untereinander auf und jeder steht auch tatsächlich zu seinem Verein. Mit dem nötigen Respekt machen solche Duelle viel Spaß. Man bekriegt sich dann im Stadion 90 Minuten lang, ehe man in die Stadt zieht um gemeinsam feiern zu gehen. Im Kern der jeweiligen Fangruppen wäre dies aber natürlich undenkbar. Da geht es darum, wessen Farbe die Stadt nun tatsächlich trägt. Das Linz schwarz-weiß gekleidet ist, wissen die Blauen halt einfach noch nicht!

 

Was muss passieren, dass die Gugl wieder ganz in Schwarz-Weiß getaucht wird?

Zuerst müsste die Laufbahnfarbe (derzeit blau-weiß) geändert werden. Im Ernst: um wieder so etwas wie eine Euphorie entstehen zu lassen, müsste tatsächlich ein Wunder geschehen. Das Band zwischen Fans und Vereinsführung ist zweifellos zerschnitten. Wäre ich jetzt in der Lage des Präsidenten, würde ich wahrscheinlich alle Kräfte mobilisieren um im Verein wieder Motivation zu schaffen. Der LASK besteht vor allem in diesen Zeiten hauptsächlich aus den Komponenten Mannschaft und Fans. Die Mannschaft ist gut versorgt, also würde ich alles daran setzen Wege zu finden um die Fans mit an Bord zu holen. Es kommt einem halt so vor, als würde der LASK ein erfolgreiches Team mit glücklichen Fans verbinden. Um Erfolg geht es hier aber nicht, sondern darum, dass man sich mal um die Fans bemüht, ihre Qualität wertschätzt. Wir hatten einst eine Idee mit unserer Plattform als Brustsponsor des LASK aufzutreten, was aber bis dato eigentlich unkommentiert blieb. Das hätte man durchaus als Signal an die Fans, auch an die eigenen Sponsoren deuten können. Wo bekommt man so einfach eine kostenlose, positive Resonanz? In Linz brüstet man sich gern mit den Fans wenn die Stimmung toll ist, kommt Kritik auf droht man uns Sanktionen an oder man muss sich schlechte Witze gefallen lassen. Stichwort "Neubeginn in 8. Liga". So geht man nicht mit seinen , im Firmenjargon, „treusten Kunden" um die einem auch bei derartigen Misserfolgen die Stange halten. Aber um einen Abschluss auf die Frage zu finden: Die Chancen für einen Umschwung beim LASK sind gering, aber es gibt immer Wege. Man muss sie nur gehen!

 

Wir danken für das Gespräch!

 

Linktipps:

Website: www.seit1908.at

Twitter: @seit1908.at

seit1908.at auf Facebook

 

In dieser Serie bisher erschienen:

'Der Verein und die Fans müssen an einem Strang ziehen, um diesen 'Nazi-Idioten' keine Bühne zu bieten" - 1911aktuell.at-Redakteur im Interview

‚Die Sturm-Familie gibt es intern schon lange nicht mehr' – sturm12.at-Redakteur Markus Zottler im Interview

forza-rapid.com-Herausgeber Gregor Labes: 'Die Hexenjagd auf Rapid-Fans stand in keinem Verhältnis zum Passierten'

salzburg12.at-Betreiber Alex Januschewsky: 'Spielst du gut, kommen die Leute, wenn nicht, dann nicht'

tivoli12.at-Betreiber: 'Der sportliche Misserfolg als Grund für den Platzsturm hat etwas von einem Gloryhunter'






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