Montag, den 12. September 2011 um 08:19 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Foda neuer Teamchef: Alles super, oder was?
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Blog - Nationalteam

die_91_minutenGestern wollten es die Bild-Zeitung und die Tageszeitung Österreich bereits wissen: Franco Foda wird der neue ÖFB-Teamchef werden. So konkret ist es natürlich noch nicht, immerhin bestätigte der ÖFB jedoch, dass um eine Gesprächserlaubnis angefragt wurde. Also gut möglich oder durchaus wahrscheinlich, dass es so wird.

 

Fast parallel dazu gab es gestern im ORF eine ungewohnt kritische Diskussion zu den aktuellen Vorgängen im ÖFB. Zu Gast waren der technische Direktor des ÖFB Willi Ruttensteiner, Kurier-Journalist Wolfgang Winheim, FM4-Blogger Martin Blumenau und der Gründer des Austrian Soccer Boards bzw. von abseits.at Daniel Mandl.

 

Es war natürlich ein kluger Schachzug des ÖFB, Ruttensteiner ins Rennen zu werfen, da der technische Direktor in der ÖFB-Führungsebene sicherlich jene Person ist, der die höchste Kompetenz aufweist - vor allem, wenn es um Themen rund um Taktik geht. Ein Windtner oder Ludwig hätten hier natürlich mehr Angriffsfläche geboten.

 

Die Diskussion war an sich interessant und Ruttensteiner wie immer rethorisch sehr gut. Unangenehmen Fragen wich er gekonnt mit langatmigen Antworten aus und brachte das Auditorium auf andere Themenkomplexe. Als einzigen Kritikpunt ließ der ÖFBler zu, dass es zu wenig Durchgängigkeit in den Systme der U15 bis zum A-Team gibt. Hier gäbe es Verbesserungspotenzial.

 

Außerdem lobt Ruttensteiner die taktische Arbeit von Constantini im Vorfeld des Türkei-Länderspiels, als Ruttensteiner für Manfred Zsak einsprang und als Co-Trainer fungierte. Ob es davor ebenfalls bereits derart intensive taktische Analysen gab, blieb jedoch offen.

 

Sonst: Ruttensteiner spielt auf den Faktor Zeit. "Es ist einfach noch zu früh, um vom Team konstant gute Ergebnisse zu erwarten", so das sinngemäße Credo von Ruttensteiner. Die "Basis" zu diesen Misserfolgen wurde laut Ruttensteiner in den 1990ern gelegt, als die Legionäre die österr. Liga überschwemmten und es defacto keine Nachwuchsarbeit gab. Winheim stimmte zu.

 

Klar - natürlich wurde in den 1990ern Raubbau am österreichischen Fußball betrieben. Das bestreitet niemand. Die Frage, ob es 2011 jedoch noch immer als Grund für das Versagen des A-Teams hergenommen werden kann, ist jedoch mehr als berechtigt.

 

Ich meine: Natürlich wird das Potenzial an guten Spielern für das A-Team den kommenden Jahren noch besser werden. Aber selbst jetzt - speziell seit Ende der Euro 2008 - ist das Potenzial groß und gut genug, um zumindest bis zum Ende einer Qualifikation um den zweiten Platz mitzuspielen. Und nicht um Platz 4 oder 5. Diese Frage wurde leider nicht mehr erörtert.

 

Es war jetzt nicht zu erwarten, dass sich der ÖFB plötzlich in Form von Ruttensteiner hinsetzt und Blumenau und Mandl bedingungslos zustimmt. Die Diskussion wirkte sehr konstruktiv, obwohl Ruttensteiner wie oben bereits erwähnt, vielen Fragen geschickt auswich und auch durch seine Professionalität vor der Kamera souveräner wirkte.

 

Als persönliches Fazit dieser Diskussion bleibt leider jedoch der Beigeschmack, dass man mit der wahrscheinlichen Verpflichtung von Franco Foda zwei Effekte erzielt: Der Trainer genießt zu Recht hohes Ansehen in Österreich und der Medienlandschaft. "Da gibt es viel Schlimmeres. Immerhin hat Foda ein System, das er bedingungslos durchzieht", sagte Blumenau dazu. Wenn sogar Blumenau indirekt die Verpflichtung gut heißt, sagt das schon einiges aus. Gleichzeitig wird dadurch jedoch - so zumindest der Anschein aus meiner Sicht - eine größere Strukturreform verhindert. Foda wird zwar - hoffentlich - mehr Kompetenzen erhalten und vor allem auch "leben" als Constantini.

 

Die Arbeit von Windtner, Ludwig & Co wird jedoch nicht in Frage gestellt. Wie schon vorher analysiert, sind hier laut Ruttensteiner keine Fehler passiert. Es ist einfach eine Frage der Zeit. Martin Blumenau, der übrigens als Internet-Blogger eine bessere Figur macht als in einer Live-Diskussion, formulierte es relativ zeitnah nach dieser  Diskussion in seinem Blog so:  Tiefgehende Analyse der sportlichen Talfahrt, des taktisches Debakel und der katastrophalen Kommunikationspolitik der Ära Constantini wird es nicht geben - das hat die schnelle Kür verhinder. Strukturreformen wie die Vereinheitlichung der Strategie in den Jugendnationalmannschaften (samt Übergang ins A-Team) wird es nicht geben: ist laut Ruttensteiner nicht nötig, weil eh alles super.

 

Bezüglich der Erlaubnis, mit Foda Gespräche zu führen, ist übrigens eine offene Frage wieder akut geworden: Wurde jetzt das Anforderungsprofil bereits updgedatet, wie es Windtner vergangenen Dienstag angekündigt hat? Eigentlich wollten sich die "Experten" erst diese Woche treffen. Oder wird auf die Anwendung dieses Profil sowieso verzichtet? In dem Fall war es dann sowieso nur ein PR-Gag, diese Sache mit dem Profil.  

 

Fazit: Mit der raschen Verpflichtung von Foda würde der ÖFB die strukturelle Diskussion zu ersticken versuchen. Foda ist der Mittelweg aus kompetentem Trainer, der jedoch den ÖFB gut genug kennt, um nicht unrealistische Sturktur-Änderungen zu fordern. Foda hätte jedoch auch die Power, das Team mit dem derzeitigen Potenzial auf Platz 2 zu führen.

 

Mit diesem Text soll ein Teamchef Foda nicht verhindert werden. Nein! Die Chance auf eine nachhaltige Entwicklung, den österreichischen Fußball zu verbessern, wird dadurch jedoch nicht eingeleitet. Denn solange Gigi "Neugebauer" Ludwig und Co im ÖFB das Sagen haben, wird es grundsätzlich nicht strukturell besser werden. Egal ob der Teamchef Foda, Constantini oder sonst wie heißt.

 

In diesem Sinne: Alles super, oder was?





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