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| Willi Ruttensteiner: 'Frenkie Schinkels wird schlecht, wenn er meinen Namen hört' |
| Blog - Nationalteam |
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Willi Ruttensteiner im Interview mit 90minuten.at über die längst fällige Strukturreform, warum er nicht früher eingriff und sein schwieriges Verhältnis zu Modernisierungsverweigerern. Ein Gespräch als Erklärungsversuch.
Das Gespräch führten Gerald Gossmann und Michael Fiala
90minuten.at: Präsident Windtner suchte noch vor wenigen Monaten den Schuhlöffel, um einem gewissen Glück hinein zu helfen. Wie konnten Sie den Präsidenten von Substanziellerem, wie einer Strukturreform, überzeugen? Willi Ruttensteiner: Strukturreform hört sich immer so theoretisch an. Aber wir wissen genau Bescheid darüber, was in vielen Nationen in der Durchgängigkeit von ganz oben bis nach unten gegeben ist. Nach einer wirklich eingehenden Analyse der Nationalmannschaften in den letzten Jahren, ist es auf der Hand gelegen, gewisse Veränderungen durchzuführen.
War es bis jetzt problematisch, dass Ihnen bei Entscheidungen rund ums A-Team die Hände gebunden waren? Es war nicht schwer einen österreichischen Weg im Nachwuchsbereich durchzuziehen. Bei der Nationalmannschaft war das schwieriger. Es ist sehr von der Person des Teamchefs abgehangen. Und die Strukturreform geht eher dorthin, dass wir einen Teamchef suchen, der mit dieser Struktur einverstanden ist. Das ist eine massive Veränderung, indem wir Inhalte auf den Tisch legen. So wollen wir in Österreich arbeiten. So wollen wir die Mannschaften betreuen. Der andere Weg ist der, dass es jemand so macht wie er es für gut hält. Aber dieses Gemeinsame verspricht für die Zukunft viel mehr Durchgängigkeit, die Ziele werden leichter erreicht.
Seit wann wissen Sie, dass eine Strukturreform nötig gewesen wäre? Ich habe immer wieder versucht mit den Teamchefs zusammen zu arbeiten. Es ist ja nicht so, dass man mit einem Pepi Hickersberger diese Durchgängigkeit in verschiedenen Bereichen nicht versucht hat. Nur von meiner Kompetenz her war das nicht der Fall. Die Nationalmannschaft war nicht in der Direktion Sport. Dann ist halt die Frage: Wo ist sie? Dort eine saubere Struktur zu haben, ist halt schon etwas wert.
Haben Sie intern nie versucht diese Strukturmängel anzusprechen? Das ist schon diskutiert worden, aber es ist einfach nicht dazu gekommen. Bei den Teamchefbestellungen Brückner und Hickersberger war ich zum Beispiel überhaupt nicht involviert. Das war einfach eine Entscheidung der ÖFB-Führung – Präsident, Generalsekretär und Präsidium. Aber sportlich war ich als Sportdirektor nicht eingebunden.
Sie hätten aber die Möglichkeit gehabt, den Entscheidungsträgern des ÖFB ihre Pläne und Vorschläge zu unterbreiten. Oder? Ich habe mit jedem Präsidenten gute Gespräche geführt. Es ist aber doch ein gewisser Unterschied, ob sie einen Auftrag kriegen, im Rahmen ihrer Funktion, eine Liste mit Kandidaten zu erstellen, oder es bleibt einfach bei einem losen Gespräch. Da ist schon ein Unterschied von der Zuständigkeit und Verantwortung her. Von dem her war der Schritt jetzt auch so wichtig.
„Ich glaube schon, dass ein Sportdirektor mitreden muss, wenn ein Teamchef bestellt wird"
Besteht die Gefahr, dass man einen Trainer zu sehr beschneidet, wenn man ihn an die Philosophie des ÖFB bindet? Das ist aber in jedem Unternehmen so. Man kann nicht wo hinkommen und sagen, dass man eine vollkommen andere Vision hat. Dann würde ich sagen: Suchen Sie sich eine neue Firma. Die Teamchefkandidaten haben aber alle gesagt: Finde ich großartig, na endlich. Zur Struktur und zur Zusammenarbeit mit dem Sportdirektor hat keiner nur einen Funken einer Kritik geäußert. Die Struktur wurde bestätigt und jene, die sich in Österreich im Fußball wirklich auskennen – Sie können da jetzt vermuten wer das ist – haben gesagt: na endlich. Ich glaube schon, dass ein sportlich Verantwortlicher mitreden muss, wenn man einen Teamchef bestellt. Die Letztentscheidung liegt dann natürlich immer beim Präsidenten und dem Direktorium.
Sie haben einmal auf Sky gesagt, dass Sie das System eines Teamchefs Krankl gar nicht durchgängig hätten durchziehen können. Ich war viel höflicher und habe zu ihm gesagt: Ich habe deine Philosophie nicht erkennen können. Wenn man in der Zukunft gewisse Spielphilosophien für die Ausbildung, die Akademien und die Klubs festlegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese Spieler sehr viel Ahnung von dieser Spielphilosophie haben. Es heißt nicht, dass man dann nur 4-4-2 spielen darf. Eine Spielphilosophie behandelt nur Eckpunkte. Wollen wir mehr verteidigen oder wollen wir mehr angreifen.
Das heißt: Hätten Sie in der Ära Krankl, Hickersberger, Brückner oder Constantini Kompetenzen für das A-Team gehabt, hätten Sie diese Durchgängigkeit viel früher durchziehen können. Oder wäre das ohnehin mit den damaligen Teamchefs nicht machbar gewesen? Das ist eine Hypothese. Ja. Es ist Vergangenheit. Ob man sich hätte einigen können und ob diese Herren dazu ja gesagt hätten, das kann man jetzt nicht mehr sagen.
Von Ihrer Seite und auch des gesamten ÖFB wurde Didi Constantini mehrere Mal für die Aufbauarbeit gedankt. Dennoch wurde jetzt im Zuge der Strukturreform und der Bestellung von Marcel Koller so gut wie alles auf neue Beine gestellt. Wie passt das zusammen? Der Didi Constantini hat schon eine wahnsinnig große Stärke gehabt und einen wahnsinnig großen Schritt gesetzt. Und den respektiere ich wahnsinnig. Es geht nicht darum, ob es unter ihm einen Sportwissenschafter gegeben hat. Das ist nur ein Mosaikstein dieser Arbeit. Sein Weg wurde akzeptiert und er hat auch die richtigen Talente gesehen, das beweist auch der jetzige Kader. Den Stamm, den er aufgebaut hat, das ist schon eine Übergabe die er weitergegeben hat. Ich habe auch den Marcel Koller anfangs gefragt: Was sagst Du eigentlich zu dem Potential der Spieler? Und da ist nichts Negatives gekommen, sondern viel eher Optimismus von seiner Seite.
Aber im Grunde liegt es ja auf der Hand, welche Spieler man einberufen kann. So viele sind es ja nicht, die in Österreich dafür in Frage kommen. Schon, aber dass Sie zu einem 17-jährigen Alaba sagen: Komm, spiel in der Nationalmannschaft – das ist auch sein Verdienst, der ihn sehr früh zum Nationalspieler gemacht und damit auch seine Karriere bei Bayern beeinflusst hat. Er hat auch gut verstanden, mit den jungen Spielern umzugehen.
Auf den Punkt gebracht: die Hinterlassenschaft des Didi Constantini ist David Alaba und sein Umgang mit den jungen Fußballern. Ja, ich habe auch am Kader nicht viel geändert. Aber ich war nicht seiner Meinung bei Andi Ivanschitz oder Martin Stranzl, die ich beide sehr schätze. Da hätte ich mir persönlich das Gespräch gewunschen. Aber er hat immer sehr klar und deutlich gesagt, dass er ihn aus den Gründen, die er auch medial nannte, nicht einberuft.
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