Dienstag, den 24. Januar 2012 um 11:00 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Willi Ruttensteiner: Der Messias, the “lame duck” oder der böse Hänsel?
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Blog - Nationalteam

Ein Gastbeitrag von 90minuten.at-Leser Thomas Moser (Twitter: @DaDirnbocher - eine klare Follow-Empfehlung von unserer Seite), der sich umfassend mit der Rolle von Willi Ruttensteiner befasst. Er fragt sich: Ist er der Messias, the "lame duck" oder der böse Hänsel?  

(Linktipp: Homepage von Thomas Moser - http://www.wirarbeitenmitdemnachwuchs.at/)

 

Neben der zunehmenden sportlichen Kritik musste Teamchef Didi Constantini vermehrt Kritik wegen seines Umganges mit den Medien einstecken. Unrühmlicher Höhepunkt war sicherlich die abgebrochene Pressekonferenz mit anschliessender Journalistenbeschimpfung (“Trottelsager”). Es folgte der Rücktritt Constantinis (letztlich auf Raten) und die Bestellung von Marcel Koller als Nachfolger ab 1.11.2011.

 

Bei geschätzten 8 Millionen Teamchefs, die Österreich hat, war relativ klar, dass die Nachbesetzung intensiv diskutiert, unzählige Namen genannt und verteufelt (“Oh, Gott, der oba net”) werden. Das Interessante an dieser Bestellung war allerdings, dass

  • - sie nicht nur eine Personendiskussion, sondern auch eine auch Systemdiskussion wurde
  • - die Front zumindest teilweise eine Bruchlinie in den Medien darstellte (Oldmedia vs. Newmedia)
  • - die Sachlichkeit der Diskussion sehr rasch litt, und es damit in meinen Augen sehr bald zu einer Schwarz-Weiss-Diskussion kam

 

ruttensteiner1_239x160Der Name Marcel Koller kam ob des öffentlichen Name-Droppings für viele überraschend, und die scheinbaren, vielfach genannten Favoriten (Foda, Rehagel, Daum, Gludovatz, …) gingen leer aus. Das war möglicherweise ein Punkt der zur Eskalation der Diskussion beigetragen hat, da die Befürworter einer anderen Lösung am falschen Fuss erwischt wurden. Legendär in diesem Zusammenhang ist die ORF-Diskussionsrunde (verlinkt bei 90minuten.at (dank an HerrNoiza für den Hinweis).

 

Wenn ein Herbert Prohaska in seiner Kolumme in der Krone Marcel Koller mit den Worten

Seine Erfolge als Spieler sind unbestritten, jene als Trainer liegen lange zurück, zuletzt ist er in Deutschland zweimal entlassen worden.

begrüßte, gleichzeitig aber Kurt Jara als gute Alternative bezeichnete, dann war das mehr als kurios. Kurt Jara ist lt. Wikipedia als Trainer bei seinen letzten 3 Stationen wegen Erfolgslosigkeit (2003 HSV, 2005 Kaiserslautern) bzw. aus anderen Gründen (2006 Salzburg) entlassen worden.

 

Aber auch auf der anderen Seite war die Argumentation nicht immer ganz treffsicher, wenn in regelmäßiger Falschheit die Kritiker der Bestellung Kollers (merke: nicht “Kritiker Kollers”) als “78er Seilschaft” oder “Cordoba Connection” (wie mehrfach in den Kommentaren zu Blumenaus Fußball-Journal z.B. hier) bezeichnet wurde. Wohltuend hob sich hier der Kommentar Philip Bauers ab.

Spätestens dann, als die Diskussion bei Kommentaren der Art

Wie die Havara-Partie um Prohaska – Herzog sich aufregt! Daran erkennt man aber leicht, dass eine richtige Entscheidung beim ÖFB getroffen wurde.

angelangte, war klar, dass die Zeit einer differenzierteren Sicht der Dinge vorbei war. Die unsachlich vorgetragene Kritik, in vielen Punkten war sie auch tatsächlich unsachlich, führte in meinen Augen zu einer – jedenfalls zu hinterfragenden – Überhöhung des neuen Teamchefs und insbesondere seines Erfinders, Willi Ruttensteiner.

 

Unter der Überschrift Wie beschwerlich war der Reform-Weg Ruttensteiners? hiess es da in der Kolummne von Gerald Gossmann “Qualitätsjournalismus für Qualitätsfussball”:

Wer Willi Ruttensteiner befragt kriegt Antworten. Wer nachfragt kriegt die Wahrheit. Ruttensteiner scheiterte mit seiner Strukturreform jahrelang an Fortschrittsverweigerern und falscher Bescheidenheit. Eine Skizze, die zeigt wie beschwerlich der Weg Ruttensteiners war, den ÖFB in die Neuzeit zu führen.

 

Ganz abgesehen davon, dass ich mit Formulierungen der Art “wer nachfragt kriegt die Wahrheit” so meine Probleme habe (wegen ihrer Pauschalität), entsteht da für mich der Eindruck, dass da jemand messiasartig (“führt den ÖFB in die Neuzeit”) auf das Schild gehoben werden sollte, und in einem Aufwaschen auch gleich mögliche kritische Fragen an Ruttensteiner (“so lange im Verband und erste jetzt kommt die Reform?”) vom Tisch gewischt (“es waren die bösen Fortschrittsverweigerer”) werden sollten.

 

Fragen an Ruttensteiner, ob seiner von ihm zu verantwortenden Erfolge gabs genug. Alleine sie wurden nicht gestellt. Klar, ist es seltsam, wenn ein Sportdirektor keine Kompetenz für einen A-Teamchef hat. Nur, er hatte Kompetenz für den gesamten Nachwuchsbereich und viele seiner (!) Nachwuchsteamchefs stehen in der massiven Kritik so mancher der 8 Millionen Teamchefs. Ein Manfred Zsak, der zuvor U21-Teamchef war und massiv für das seinerzeitige Entscheidungsspiel gegen Finnland in der Kritik stand, wird als Cotrainer abgesetzt und ihm wird die Nachfolge von Thomas Janeschitz angeboten. Wo ist da der neue Trainings-/Trainerstil zu erkennen, der mit Marcel Koller kommen sollte, und durchgängig auch in den Nachwuchsmannschaften gelten sollte?

 

Die Verantwortung Ruttensteiners für den “österreichischen Weg” und die konkreten Konsequenzen auf die tägliche Arbeit der vielen Nachwuchsbetreuer in den kleinen und mittleren Vereinen wurde und wird nicht hinterfragt (Vielleicht schreibe ich dazu noch einmal was).

 

Ich habe damals Kollers Auftreten und Handeln als positive Entwicklung wahrgenommen und tue es noch. Über Ruttensteiners Rolle war ich mir damals schon nicht sicher und bin es immer noch nicht.


Ruttensteiner, der Messias?


>>> Seite 2: Ruttensteiner, the "lame duck"?



 

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