Am 26. und 27. März findet in Steyr das 17. Frühjahrssymposion statt. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautet „Ein Weg zum Erfolg - Was Fußball und Management verbindet". Wir haben mit Organisator Werner Zöchling über die Zusammenhänge zwischen Fußball und Management gesprochen. Für Zöchling ist eine Klub-Philosophie, die nicht mit Taktik und Spielsystem zu verwechseln ist, für langfristigen Erfolg unumgänglich. Trainer alá Pacult werden kurzfristig immer für Erfolg sorgen, langfristig jedoch nicht. Und: Manuel Ortlechner ist das Paradebeispiel dafür, wie man mit perfekter Einstellung das Maximum herausholen kann.
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90minuten.at: Wie kann Fußball vom Management lernen?
Werner Zöchling: Der Fußball kann vom Management lernen, dass jene Bereiche, die gang und gäbe sind, auch für den Fußball Bedeutung hätten jedoch bei weitem nicht umgesetzt werden. In Fußballvereinen erkennen die Verantwortungsträger zu selten die Bedeutungsbereiche des Managements. In den Unternehmen ist Personal- und Organisationsentwicklung Standard, im Fußball eher nicht.
Und was kann das Management vom Fußball lernen?
Fußball zeigt auf, dass einzelne Bereiche extrem wichtig sind und zeigt vor allem auch auf, dass das Ganze nicht funktioniert, wenn einzelne Bereiche nicht funktionieren. Ein Beispiel: Wenn man ein gutes Produkt hat, kann man trotz schlechter Führungskraft Erfolg haben. Das ist im Fußball nicht möglich.
Wie sehen Sie das Niveau der Führungskräfte in der tipp3-Bundesliga bzw. wie hat es sich entwickelt?
Es hat sich schon einiges getan, die Vereine machen oft unbewusst das Richtige. Einige Vereine legen Wert auf Philosophie. Doch einige Vereine verwechseln Philosophie mit Spielsystem und Taktik. Das sind zwei Paar Schuhe. Und oft ist es in Österreich auch noch so, dass die Mitarbeiter nicht nach der Philosophie ausgesucht werden. Leider ist es oft noch so, dass zum Beispiel ein Trainer geholt wird, der eine eigene Philosophie hat, die dann umgesetzt wird. Egal ob das mit der eigenen Philosophie in Einklang zu bringen ist oder nicht.
Gibt es hier aus Ihrer Sicht überhaupt einen Klub, der die Philosophie über alles stellt?
Die einzige Ausnahme in Österreich ist Ried. Ried hat aus der Not eine Tugend gemacht und setzt darauf, sich finanziell nicht zu übernehmen, holt junge Spieler, die sie dann später auch weitergeben können. Ried legt großen Wert auf die Akademie und die Amateurmannschaft, woraus sie ihre Spieler holen. So werden etwa nur Spieler geholt, die auch Teamplayer sind. Und auch die Auswahl des Trainers wird auf die Philosophie abgestimmt. Verträge mit Spielern, die sich nicht (mehr) ins Teamgefüge einfügen wollen, wurden nicht mehr verlängert.
Kann man mit weniger Philosophie dennoch erfolgreich sein?
Natürlich kann das passieren, aber mit einer Philosophie ist man auf jeden Fall erfolgreicher. Schauen Sie sich Dortmund an. Die haben aus der Not eine Tugend gemacht und konsequent über mehrere Jahre junge Spieler in ihrer Akademie ausgebildet.
Wie sieht es aus Ihrer Sicht bei Red Bull Salzburg aus. Die Erwartungshaltung ist ob des finanzkräftigen Umfelds sehr hoch. Dennoch scheitert der Klub immer wieder an den eigenen Ansprüchen. Warum?
Red Bull Salzburg hat den Fehler gemacht, dass man immer wieder Trainer geholt hat, die ihre eigene Philosophie dem Klub übergestülpt haben. Wie schon vorher gesagt: So kann es nicht funktionieren. Die neuen Geschäftsführer Peter Vogl und sein Stellvertreter Oliver Glasner sind aber aus meiner Sicht sehr bemüht, hier eine Struktur reinzubringen.
Was muss ein Trainer sonst noch mitbringen, außer fachlich gut zu sein und die Philosophie des Vereins umsetzen zu können?
Es ist wichtig jemanden mit Führungskompetenz zu holen. Die Fachkompetenz muss natürlich auch vorhanden sind, die kann sich aber immer noch weiterentwickeln. Bei der Führungskompetenz wird das schon schwieriger. Führen ist Lernen und nicht Wissen. Das entwickelt sich langfristig, darauf muss man sich einlassen können.
Was zeichnet daher einen guten Cheftrainer aus?
Ein Chef-Trainer von heute steht nicht mehr ständig am Platz. Der hat seine Spezial-Trainer mit dabei, die sich um die Offensive, Defensive, etc. kümmern. Als Trainer muss ich einfach wissen, dass ich eine Mannschaft mit unterschiedlichen Persönlichkeiten habe, die ich auch unterschiedlich führen muss. Vor einem guten Trainer haben die Spieler Respekt aber gleichzeitig vertrauen sie ihm auch. Ein guter Trainer muss Entscheidungen treffen, sich durchsetzen können, Klarheit ausstrahlen und auch konfliktfähig sein. Auf der anderen Seite muss er auch zuhören können, Unterstützung anbieten, den Dialog suchen. Ideal ist, hier eine perfekte Balance zu haben.
Welche Österreichischen Trainer sind aus Ihrer Sicht gut?
Dazu zähle ich zum Beispiel Peter Stöger oder Peter Schöttel, die sowohl Fachkompetenz als auch Führungsqualität besitzen. Klaus Roitinger war auch so einer, denn er hat mehr als 10 Jahre lang Erfolg gehabt. Das ist sicher kein Zufall gewesen.
Beispiel Peter Pacult: Auf der einen Seite ist Pacult sehr klar mit seinen Ansagen, er weiß was er will und gibt das seinen Spielern auch zu verstehen. Auf der anderen Seite ist er nicht unbedingt dafür bekannt, ein großer Kommunikator zu sein. Dennoch hatte er Erfolg bei Rapid. Ein Widerspruch?
Das Ende der Pacult-Ära hat sich abgezeichnet. Viele Spieler wollten weg. Ein Führungsverhalten wie von Pacult kann natürlich kurzfristig zu Erfolg führen und in Zeiten des Erfolgs ist das auch kein Thema. Ein gutes Beispiel ist auch Max Merkel: Der ist Meister geworden mit dem 1. FC Nürnberg und die Saison darauf abgestiegen. Ähnlich war es dann bei Atletico Madrid. Kurzfristig immer erfolgreich, aber langfristig war der Verein dann in einer Krise. Sich durchsetzen zu können, Distanz zu schaffen, etc. – das sind wichtige Dinge. Nur diejenigen Trainer, die glauben autoritär führen zu müssen, gehen meistens in die Extreme bis hin zur Menschenverachtung. Das Ganze kann natürlich auch vom anderen Extrem her gesehen werden. Es gibt Trainer, die viel zu wenig autoritär sind. Das funktioniert dann auch nicht.
Wird der Begriff „autoritär" also oft falsch verstanden?
Ja und zwar in beide Richtungen. Viele Führungskräfte haben Angst autoritär zu sein, weil sie glauben, dass dies Menschenverachtend ist. Diese Personen können dann meist ihre geplanten Themen nicht umsetzen. Andererseits gibt es Führungskräfte die ihre Autorität übertreiben und Menschenverachtend sind.
Was können Sie Führungskräften, Spielern oder Trainern daher vermitteln?
Die Wertschätzung muss ganz oben stehen. Ich muss meine Mitarbeiter, meine Spieler so nehmen wie sie sind. Das heißt aber nicht, dass ich alles akzeptieren muss. Diese Wertschätzung erlebt man als Spieler im Fußball zu selten.
Ohne dass Sie jetzt Marcel Koller näher kennen. Wie schätzen Sie ihn diesbezüglich ein?
Das wird sich erst herausstellen. Ich bin da eher vorsichtig mit einer Beurteilung. Oft – ohne jetzt speziell auf Koller einzugehen – kann man sich gut verkaufen und der Eindruck täuscht. So was ich jetzt mitbekommen habe, glaub ich schon, dass Koller diese Fähigkeiten auf beiden Ebenen besitzt.
Wie sehr muss ein Trainer es schaffen, etwa ein Jahrhunderttalent einzugliedern, das aber schwer sozialisierbar ist. Muss diese Übung gelingen?
Man darf keinen missionarischen Eifer entwickeln, solche „Typen" auf jeden Fall integrieren zu müssen. Wenn ein Spieler für das Team problematisch ist, geht es nicht. Die wirklich guten Spieler sind auch für das Teamgefüge kein Problem. Wenn man zum Team kommt, muss man sein Ego draußen lassen. Speziell im Fußball gibt es ganz wenige, die ein Spiel allein entscheiden können. Daher ist Teamwork viel wichtiger.
Welchen österreichischen Profi würden Sie uns als positives Beispiel nennen bzgl. Einstellung, Motivation und Teamfähigkeit?
Manuel Ortlechner ist so einer. Er ist jetzt sogar Kapitän bei der Austria geworden. Er hat in seiner Karriere deswegen so viel erreicht, weil er die richtige Einstellung hat. Auch er wird beim Symposium in Steyr mit dabei sein, weil mich sein eingeschlagener Weg fasziniert.
Danke für das Interview!
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