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Tag:91minute
die_91_minutenWas haben sich Rapid- und Austria-Fans teilweise kaputtgelacht, als die Salzburger in der Europa League gegen Metalist Charkiw sang- und klanglos mit 0:4 untergingen. Diese Nicht-Leistung hat wieder die ganzen Basher aus den Löchern hervorgerufen. Im kollektiven Gelächter fällt es dann leider schwer, die auch vorhandenen sachlichen Kritiken wahrzunehmen und darauf zu reflektieren – vor allem aus Sicht des geplagten Salzburger Fans. Stattdessen wird dann auch sachliche Kritik von Salzburg-Fans allzu oft als Bashing abqualifiziert.

 

Bashing hin oder her. Schadenfreude ist derzeit in Österreich nicht angebracht. Von keiner Seite. Denn was Rapid und Austria im 300. Wiener Derby geboten haben, fällt ebenfalls in die Kategorie „Spiele, die besser nie stattgefunden hätten."

 

austria_vs_rapid_300_wr_derbyEigentlich unverständlich welch Angsthasenfußball im Happel-Oval zu sehen war - im Duell zweier Meisterschaftskandidaten. Einer der besten Offensiv-Spieler, die Österreich jemals gehabt hat, entwickelt sich als Trainer zum Defensiv-Apostel. Und Peter Schöttel ist zwar mit Rapid Tabellenführer, warum genau weiß er aber selbst auch nicht. Aus dem Spiel heraus gelingt es Rapid derzeit überhaupt nicht, gefährlich zu sein. Immerhin: Während Peter Schöttel sich nach dem Spiel unzufrieden mit Leistung und Ergebnis zeigte, war Ivica Vastic positiv gestimmt. Sinngemäß: "Gut gespielt, Taktik umgesetzt, Punkt erreicht".

 

Überhaupt ist das inoffizielle Motto der diesjährigen „spannendsten Meisterschaft aller Zeiten", wie die Bundesliga zum Saisonstart stolz verkündet hat, folgendes: „Nur nicht auffallen, lass dich ganz unbemerkt an die Spitze spülen". Ja: Selten war eine Meisterschaft so spannend. Selten hat man aber auch so schwache Leistungen gesehen – von allen „Spitzenmannschaften".

 

Aber irgendeine Mannschaft muss am Ende Meister werden. Ist so. Das kann nicht einmal die Bundesliga verhindern.

 

Überhaupt zeigt der Rückrundenstart, in welchem Dilemma die Liga als Ganzes ist. Spiele werden der Reihe nach abgesagt, die Infrastruktur ist einer mitteleuropäischen Profi-Liga nicht würdig. Da passt es auch gut ins Bild, dass Liga-Präsident Hans Rinner sich vor wenigen Tagen in den Sturm-Aufsichtsrat wählen ließ. Rechtlich nicht wirklich problematisch, aber die Optik dieser Doppelfunktion ist schief.

 

Solange Rapid und Austria und alle anderen österreichischen Vereine unter sich bleiben – also in der Meisterschaft aufeinandertreffen - wird es natürlich immer wieder auch sehr gute Spiele geben, die Zuschauer begeistert sein.

 

Auf internationaler Ebene werden die Defizite dann jedoch schonungslos aufgedeckt. So gesehen am Donnerstag in Salzburg. Salzburg ist kein Einzelproblem – im Gegenteil. Salzburg hat es in die K.O.-Phase der Europa League geschafft - und darf als „Vertreter der österreichischen Liga" als Watschenbaum herhalten. So passiert am Donnerstag.

 

Doch das ist kein „In der österr. Liga ist alles schlecht" Artikel. Es gibt durchaus positive Tendenzen. Neun von zehn Klubs haben vergangene Saison finanziell positiv bilanziert – das ist mehr oder weniger einzigartig in Europa. Mit Platz 15 in der UEFA-Fünfjahreswertung ist Österreich so gut wie lange nicht. Doch die Luft wird hier dünner. Sogar Platz 13 und somit ein Fixplatz in der Champions League ist in Griffweite.

 

metalist_twitterEine fixe Teilnahme in der Champions League. Das wäre natürlich „geil". Doch das Niveau in der Champions League ist derzeit definitiv zu hoch für Österreich.

 

Die Österreichische Liga ist derzeit quasi an ihrem Leistungszenit angekommen bzw. „spielt" teilweise über ihren Verhältnissen. Und diese Situation bringt mit sich, dass alle Stärken und vor allem Schwächen schonungslos aufgezeigt werden.

 

Ob die Liga das Niveau als Ganzes nachhaltig weiter nach oben schrauben kann, hängt von vielen Faktoren ab. Die Professionalisierung in den Strukturen muss voranschreiten, die Infrastruktur endlich an internationales Niveau angehoben, die Verhaberung komplett abgestellt werden.

 

Nur dann können wir uns auch über einen Fixplatz in der Champions League freuen. Denn aus jetziger Sicht ist zu befürchten, dass, egal wer auch immer dort spielen wird, sich diese Mannschaft dann wieder als Watschenbaum präsentiert.

 

Linktipp: Salzburg geht unter, aber die Liga muss umdenken

 
die_91_minuten_295x145Ein Artikel im Kurier (Wiener Derby wird zum TV-Zankapfel) hat einen „TV-Streit" um das 300. Wiener Derby an die Öffentlichkeit gebracht. Dabei dürfte dieser Streit eigentlich gar kein Streit sein, sofern die Geschäftsstelle der österreichischen Bundesliga ihre Vertragspartner gleichermaßen zur Einhaltung der Verträge hinweisen würde.

 

Hintergrund - der Kurier berichtet: Die Liga sowie die TV-Rechteinhaber Sky und ORF konnten sich noch nicht einigen, welche Paarung am 19. Februar das Sonntag-Livespiel sein wird. In der zweiten Frühjahrsrunde stehen einander zum 300. Mal Rapid und Austria gegenüber. Eine Partie, die der ORF natürlich liebend gerne übertragen würde. Kann er aber nicht. Warum? Weil an diesem Sonntag (jener Tag, an dem der ORF die Live-Übertragungsrechte hat) die Partie Salzburg gegen Sturm „stattzufinden hat". Das liegt wieder daran, dass Salzburg am Donnerstag davor Europe League spielt und daher danach zwei spielfreie Tage hat. Und der Vertrag zwischen Bundesliga, Sky und ORF schreibt außerdem vor, dass am Samstag, sofern möglich, vier Partien stattfinden müssen. Daher findet das 300. Wiener Derby am Samstag statt.

 

Die Rechtslage ist also klar. Ein Streit, der von Seiten des ORF begonnen wurde, müsste daher gar keiner sein. Der ORF verlangt also von Sky, auf sein „Recht" zu verzichten, damit der ORF Quote machen kann. Nebeneffekt: Sky würde damit auf mächtig viel Quote verzichten. Eh klar: Wenn das Derby im öffentlich-rechtlichen parallel ORF läuft, werden weniger auf Sky sehen.

 

Im Kurier-Artikel steht weiter: Bei der Bundesliga gibt man sich in der Causa wenig auskunftsfreudig. "Ich kann dazu nichts sagen, weil die Gespräche laufen", meint Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer, der für den Spielbetrieb zuständig ist, im Kurier. Noch in dieser Woche soll zwischen den drei Parteien weiterverhandelt werden.

 

Natürlich wäre es für viele nicht Sky-Abonnenten schön, das Derby im Free-TV zu sehen. Aber genau das ist auch das Geschäftsmodell eines Pay-TV-Senders. Inhalte zu haben, die andere nicht haben. Dafür zahlen sie der Liga auch viel Geld. Daher kann man den Vertrag nicht immer so umbiegen, wie man ihn gerade braucht. Sky muss im Vergleich zum gebührenfinanzierten ORF noch viel mehr auf wirtschaftliche Planbarkeit schauen. Und ein Vertrag, der dann jedes Mal doch nicht „so streng" gehandhabt werden muss, ist das Papier nicht wert.

 

Warum also weiterverhandeln? Wo ist der Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, der den ORF auf den laufenden Vertrag hinweist, der die Antwort klipp und klar vorgibt und klare Fronten schafft und somit klarstellt: Lieber ORF, da hat es gar keinen Streit zu geben! Wie schon so oft: Ein Machtwort von Pangl bleibt aus - leider!

 
die_91_minutenEiner meiner Söhne ist 5 Jahre alt. Wenn er bei einer Diskussion mit seinen Eltern (also mit mir) oder anderen Personen (=Kinder) unsicher wird, wird er lauter und versucht die Situation ins Lächerliche zu ziehen.

 

Peter Pacult ist 51 Jahre alt. Wenn Pacult bei einem Thema in einer Diskussion unsicher wird, wird er lauter und versucht die so eben besprochene Frage bzw. Thematik ins Lächerliche zu ziehen.

 

Das hört sich dann so sinngemäß so an: „Der eine Trainer redet zu viel mit den Spielern, der andere zu wenig. Die Wahrheit liegt doch am Platz und der Spieler muss dort seine Leistung bringen. Alles andere wird von den Medien doch nur hochgespielt. Wenn der Spieler am Ende des Monats auf seinen Kontoauszug schaut, ist alles wieder gut."

 

Vielleicht sollte Pacult einmal bei Personen wie Sebastian Deisler oder Markus Miller nachfragen. Vielleicht aber auch bei seinem Trainerkollegen Ralf Rangnick.

 

Egal! Das Publikum im Hangar 7 ist begeistert, klatscht. Pacult lacht und wird drei Köpfe größer - fühlt sich bestätigt. Egal wie konstruktiv die anderen drei – Stöger, Moniz und Toni Huemer (Sportwoche) – auch noch diskutierten. Pacult schaffte es immer wieder, die Diskussion auf Stammtischniveau zurückzuholen.

 

Keine Frage: Pacult hat als Trainer für österreichische Verhältnisse relativ viel erreicht, er ist mit Rapid Meister geworden, hat in der Europa League für die beiden Wunder von Birmingham gesorgt und in der EL-Gruppenphase für die eine oder andere Überraschung verantwortlich gezeichnet.

 

pacult_rapid_gepa_picturesPacult hat seinen Trainerstil, den er wohl auch nicht mehr ändern wird – es ist zumindest aus jetziger Sicht nicht zu erwarten. Es ist ein Stil wie man ihn noch aus Happels Zeiten kennt: Nur nicht viel herumreden, die Spieler müssen das selbst schaffen. Auf Gefühle kann man keine Rücksicht nehmen. Und: Was die anderen über mich denken, ist mir ziemlich egal.

 

Pacult´s Trainerstil ist somit ziemlich das Gegenteil von den Vorstellungen, die Marcel Koller über einen Trainerjob hat. Kann also nicht gut sein, dieser Koller. Noch dazu hat er ja zwei Jahre jetzt keinen Job gehabt und Österreicher würden sich als Teamchef ebenfalls anbieten - meint Pacult.

 

Zurück zur Unsicherheit Pacults: Bei der gestrigen Diskussion auf ServusTV im Hangar 7 ließ sich Pacult nur sehr selten auf eine konstruktive Diskussion ein. Meistens lenkte er vom konkreten Thema ab („Medien übertreiben alles heutzutage und müssen alles kommentieren was man tut und vor allem was man nicht tut") oder er machte sich über konkrete Fragestellungen lustig. Ein Beispiel: „Marcel Koller ist nur deswegen Teamtrainer geworden, weil er kleiner ist als Leo Windtner." Die Menge tobte und applaudierte. Ein Schenkelklopfer.

 

Diese Unsicherheit hat damit zu tun, dass sich der Trainer-Typ, den Pacult verkörpert, am absteigenden Ast befindet. Peter Stöger und Ricardo Moniz deuteten es gestern an. Ein Trainer muss heutzutage mehr sein als bloß ein Trainer, der die Spieler aufs Feld schickt, in der Pause zur Schnecke macht und nach dem Spiel über Sieg oder Niederlage philosophiert.

 

Es sind als Tugenden und Fähigkeiten gefragt, die sich Pacult nicht aneignen will.

 

Für Pacult mag die gestrige Diskussion ob der teils erfreuten Reaktion des Publikums ein Erfolg gewesen sein.

 

Langfristig wird der ehemalige Rapid-Trainer jedoch über den Tellerrand blicken und seinen Horizont erweitern müssen, um auch noch in 10 oder 15 Jahren relevante Trainerjobs zu ergattern. Bei meinem Sohn bin ich übrigens davon überzeugt, dass er noch dazulernen wird. Doch wird Pacult diese "Mission Impossible" gelingen und dazulernen?

 

die_91_minutenOberwart – das Zentrum des österreichischen Sportjournalismus. Wer hätte das gedacht? Heute, Dienstag, um kurz vor 13:00 war es so weit. Marcel Koller traf flankiert von ÖFB-Präsident Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner im Oberwarter Messezentrum ein.

 

Seit heute wissen wir es: Der neue Teamchef heißt also Marcel Ruttensteiner. Die Kombination der beiden hat viel Potenzial - bringt aber auch ein bisschen Gefahr. Dennoch: der 4. Oktober 2011 ist ein guter Tag für Österreichs Fußball! Eine Analyse!

 

Gleich vorweg: Es wird von meiner Seite heute kein Urteil geben, ob Koller die richtige und schon gar nicht ob er die falsche Wahl ist. Ganz einfach aus dem Grund, weil es jetzt noch zu früh ist. By the way: Herbert Prohaska hat mich persönlich heute mit seiner Kolumne gegen Koller in der Kronenzeitung ziemlich enttäuscht.

 

Dass gestern und heute zudem jede Menge „Experten“ und solche, die es noch werden wollen, ihren Senf über Koller abgegeben haben, ohne sich jedoch mit dem Schweizer anscheinend auch nur eine Minute zu beschäftigen, spricht ebenfalls Bände. Und dass Kurt Jara der Meinung ist, dass er der bessere Trainer gewesen wäre, ist legitim aber nicht der Rede wert.

 

Mehr Wert ist da schon die Meinung von Experten, die keinen besonderen Österreich-Bezug haben und vom Verhaberungs-Verdacht freigesprochen sind.

 

marcel_koller_90minutenatSo etwa Günter Netzer, der im April 2011 über Marcel Koller bzgl. eines möglichen Engagements bei St. Pauli in der Basler Zeitung meinte: „Er hat in Bochum glänzende Arbeit geleistet, den Verein in die Bundesliga geführt und ihn mit dem vielleicht kleinsten Budget der Liga lange in der obersten Spielklasse gehalten. Marcel Koller hat eine ruhige Art zu arbeiten und zu kommunizieren, er ist topseriös und ein akribischer Arbeiter“.

 

Eigenschaften, die für die Leitung des ÖFB-Teams von Interesse sein könnten. Zwar geht es hier weniger um das Budget, aber um eine ähnliche Ausgangsposition. Das ÖFB-Team geht meistens nicht als Favorit ins Spiel, hätte aber durchaus das Potenzial um Platz zwei in einer Quali-Gruppe mitzuspielen. Eine gewisse Underdog-Rolle also – und die liegt Marcel Koller. Ob es für Koller einen Unterschied macht, das Nationalteam jedoch nur alle paar Monate für ein paar Tage bei sich zu haben, wird sich zeigen.

 

Das ÖFB-Direktorium hat somit eine nach jetziger Sicht gute Entscheidung getroffen. Die Herren Gartner und Geissler dürften wohl mit ihrer Meinung nach einem Praktiker alá Constantini auf verlorenem Posten gewesen sein. Gut so!

 

Die heutige Präsentation von Koller und die gleichzeitige Bekanntgabe einiger Strukturänderungen haben aber auch erkennen lassen, dass künftig Willi Ruttensteiner der neue starke Mann im ÖFB ist, wenn es um den sportlichen Bereich geht.

 

Marcel Koller gilt als akribischer Arbeiter, wie schon oben erwähnt. Er gilt aber auch als jemand, der sich den Strukturen anpasst. Er ist quasi kein Paul Gludovatz. Und das ist auch der Grund, warum heute Koller präsentiert wurde und nicht Gludovatz.

 

Dass die Position von Willi Ruttensteiner gestärkt wurde, ist prinzipiell positiv zu werten. Ruttensteiner hat dem ÖFB in den vergangenen Wochen eine dringend notwendige Portion „Profitum“ verpasst. Ruttensteiner hat das Know-how, den ÖFB voranzubringen, auch wenn man gleichzeitig die berechtigte Frage stellen muss, was er in den vergangenen 10 Jahren verabsäumt hat.

 

Doch heute wollen wir in die Zukunft blicken.

 

Marcel Ruttensteiner  - Potenzial und Gefahr

marcel_koller_90minutenat_2Die Kombination „Marcel (Koller & Willi) Ruttensteiner“  hat absolutes Potenzial, den ÖFB und das A-Team an der Spitze voranzubringen. Es bringt aber auch ein bisschen Gefahr mit sich.

 

Ruttensteiner sprach heute davon, künftig dafür verantwortlich zu zeichnen, dass sich die Struktur bzw. Philosophie durch alle Altersstufen zieht. Also auch bis zum A-Team. Klar, dass es hier zu Reibereien zwischen Koller und Ruttensteiner kommen kann.

 

Kurz gesagt: Ruttensteiner wird sich in die Arbeit und beispielsweise in die konkrete Kaderzusammenstellung künftig wohl ein bisschen einmischen, weil er Spieler in die U21 reklamieren wird bzw. umgekehrt Koller nahelegen wird, welche von der U21 hochzuziehen. Diese Praxis hätte es mit Gludovatz nicht gespielt. Unter Koller geht das vermutlich schon.

 

Es wird also auch ein bisschen darauf ankommen, dass sich Ruttensteiner in dem einen oder anderen Moment ein bisschen zurücknimmt und sich nicht zu sehr in die Arbeit von Koller einmischt.

 

Abschließend sie jedoch gesagt: Der 4. Oktober ist prinzipiell ein guter Tag für Österreichs Fußball. Und wie schon die Kollegen von abseits.at und derstandard.at geschrieben haben: Lassen wir Koller (und Ruttensteiner) jetzt einmal arbeiten!

 
die_91_minutenDas Spiel gegen Mattersburg diente eigentlich nur zur Widerlegung der letzten Optimisten, die noch immer an eine Rapid-Mannschaft glaubten, die noch heranwachsen muss. Spätestens nach diesem Spiel ist der letzte Optimismus jedoch verflogen. Die Bundesliga-Statistik spuckte es heute per Aussendung unmissverständlich heraus: Rapid erzielte in Minute 55 sein „schnellstes" Saisontor - in sechs der sieben Saisonspiele stand zur Pause 0:0. Und von einem herausgespielten Tor kann man auch nicht reden. Viel mehr war man auf die Schützenhilfe von Mattersburg-Goalie Schattner angewiesen.

 

Und selbst das Comeback der Fans auf der West verlief daher nicht unbedingt so, wie man es vielleicht erhofft hatte: „Wir wollen Rapid sehen", skandierten die Fans. Später folgte auch noch „Vorstand raus". Womit die Fans auch schon eindeutig zu wissen glauben, wer die Schuld an der Serie von Misserfolgen trägt.

 

Die Bilanz nach 7 Runden – zunächst zum Positiven: Nach 7 Runden hat Rapid nur 5 Treffer kassiert. Gleichzeitig haben die Hütteldorfer jedoch auch nur 5 (!) Treffer geschossen, davon in den letzten 5 Spielen nur eines (!).

 

Spielerisch sah man wenig von den grün-weißen. Die Hoffnung ruht wie so oft in den letzten Jahren auf Steffen Hofmann, der kann die in ihn gesetzten Erwartungen bei weitem nicht erfüllen. Er wurde gegen Mattersburg zum wiederholten Male von Schöttel vom Feld geholt.

 

Adäquater Ersatz für Hofmann ist im ausgedünnten Rapid-Kader jedoch nicht zu finden. Bei weitem nicht.

 

Womit wir auch beim Hauptproblem Rapids wären: Rapid hat es in den letzten Jahren zwar immer wieder durch fast unmenschliche Leistungen geschafft, auf internationaler Bühne das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen, was finanziell potente Transfers zur Folge hatte. Korkmaz, Jelavic, Maierhofer, Hoffer oder Boskovic – um nur einige Namen zu nennen. Spieler mit Charisma, die bei einem anderen Verein ihr Glück fanden (oder auch nicht) und eine Tiefe Lücke hinterließen.

 

Doch welche Spieler hat Rapid in dieser Zeit verpflichtet, die nur annähernd einen dieser Spieler ersetzen konnte? Die Antwort ist bitter: Keinen einzigen!

 

Den negativen Höhepunkt erreichte die grün-weiße Transferpolitik vor dieser Saison. Nach dem Theater von und mit Peter Pacult, dem zuvor auch Alfred Hörtnagl zum Opfer fiel, und dem Supergau am 22. Mai verfiel Rapid in eine Art Starre. Eine Starre, der auch die Transferpolitik zum Opfer fiel.

 

Man könnte fast den Eindruck haben, dass nur die nötigsten Transfers für augenscheinlich nichtbesetzten Positionen stattfanden.

 

Kreativität in Sachen Rapid-Transfers? Fehlanzeige!

 

Das Resultat: Der jetzige Rapid-Kader könnte auch gut und gerne der Kader von Wacker Innsbruck oder Ried sein – Hofmann ausgenommen. Doch auch am Würzburger ist die lange Rapid-Karriere inklusive Rückschläge (Platzsturm, Fanboykott, Verletzungen, etc.) in den vergangenen Monaten nicht spurlos vorübergegangen.

 

Typen, die die marode Rapid-Elf aus dem eigenen Sumpf herausziehen könnten? In diesem Kader nicht zu finden.

 

Das ist die bittere Realität rund um Rapid im September 2011. Gut möglich, dass sich die Mannschaft noch ein bisschen steigern wird.

 

Aber mehr als Platz vier darf man mit dieser Zusammenstellung nicht erwarten. Genauso ist es gut möglich, dass am Ende der Herbstsaison Platz sechs oder sieben zu Buche steht. Realistischerweiße ist es Platz 5.

 

Reagieren kann der Klub erst in der Winterpause. Edlinger & Co müssten über ihren Schatten hinauswachsen und 3 oder 4 richtige Kracher holen. Gute Kicker eben, die die Bundesliga bereichern und nicht wieder Fußballer, die man genauso gut bei Wacker oder Ried finden könnte.

 

Übrigens zum Thema „Vorstand Raus": Wer die österreichische Rücktrittskultur kennt, weiß, dass es einen neuen Vorstand inkl. Präsidenten frühestens bei der nächsten Wahl geben wird – also im Herbst 2013.

 

Bis dahin können die Rapid-Fans nur hoffen, dass auch der mediale Druck auf Edlinger & Kuhn größer wird, damit diese beiden Herren erkennen, dass sie derzeit am besten Weg sind, aus Rapid einen Verein des österreichischen Mittelmaßes zu machen – dafür aber nachhaltig!

 

die_91_minutenGestern wollten es die Bild-Zeitung und die Tageszeitung Österreich bereits wissen: Franco Foda wird der neue ÖFB-Teamchef werden. So konkret ist es natürlich noch nicht, immerhin bestätigte der ÖFB jedoch, dass um eine Gesprächserlaubnis angefragt wurde. Also gut möglich oder durchaus wahrscheinlich, dass es so wird.

 

Fast parallel dazu gab es gestern im ORF eine ungewohnt kritische Diskussion zu den aktuellen Vorgängen im ÖFB. Zu Gast waren der technische Direktor des ÖFB Willi Ruttensteiner, Kurier-Journalist Wolfgang Winheim, FM4-Blogger Martin Blumenau und der Gründer des Austrian Soccer Boards bzw. von abseits.at Daniel Mandl.

 

Es war natürlich ein kluger Schachzug des ÖFB, Ruttensteiner ins Rennen zu werfen, da der technische Direktor in der ÖFB-Führungsebene sicherlich jene Person ist, der die höchste Kompetenz aufweist - vor allem, wenn es um Themen rund um Taktik geht. Ein Windtner oder Ludwig hätten hier natürlich mehr Angriffsfläche geboten.

 

Die Diskussion war an sich interessant und Ruttensteiner wie immer rethorisch sehr gut. Unangenehmen Fragen wich er gekonnt mit langatmigen Antworten aus und brachte das Auditorium auf andere Themenkomplexe. Als einzigen Kritikpunt ließ der ÖFBler zu, dass es zu wenig Durchgängigkeit in den Systme der U15 bis zum A-Team gibt. Hier gäbe es Verbesserungspotenzial.

 

Außerdem lobt Ruttensteiner die taktische Arbeit von Constantini im Vorfeld des Türkei-Länderspiels, als Ruttensteiner für Manfred Zsak einsprang und als Co-Trainer fungierte. Ob es davor ebenfalls bereits derart intensive taktische Analysen gab, blieb jedoch offen.

 

Sonst: Ruttensteiner spielt auf den Faktor Zeit. "Es ist einfach noch zu früh, um vom Team konstant gute Ergebnisse zu erwarten", so das sinngemäße Credo von Ruttensteiner. Die "Basis" zu diesen Misserfolgen wurde laut Ruttensteiner in den 1990ern gelegt, als die Legionäre die österr. Liga überschwemmten und es defacto keine Nachwuchsarbeit gab. Winheim stimmte zu.

 

Klar - natürlich wurde in den 1990ern Raubbau am österreichischen Fußball betrieben. Das bestreitet niemand. Die Frage, ob es 2011 jedoch noch immer als Grund für das Versagen des A-Teams hergenommen werden kann, ist jedoch mehr als berechtigt.

 

Ich meine: Natürlich wird das Potenzial an guten Spielern für das A-Team den kommenden Jahren noch besser werden. Aber selbst jetzt - speziell seit Ende der Euro 2008 - ist das Potenzial groß und gut genug, um zumindest bis zum Ende einer Qualifikation um den zweiten Platz mitzuspielen. Und nicht um Platz 4 oder 5. Diese Frage wurde leider nicht mehr erörtert.

 

Es war jetzt nicht zu erwarten, dass sich der ÖFB plötzlich in Form von Ruttensteiner hinsetzt und Blumenau und Mandl bedingungslos zustimmt. Die Diskussion wirkte sehr konstruktiv, obwohl Ruttensteiner wie oben bereits erwähnt, vielen Fragen geschickt auswich und auch durch seine Professionalität vor der Kamera souveräner wirkte.

 

Als persönliches Fazit dieser Diskussion bleibt leider jedoch der Beigeschmack, dass man mit der wahrscheinlichen Verpflichtung von Franco Foda zwei Effekte erzielt: Der Trainer genießt zu Recht hohes Ansehen in Österreich und der Medienlandschaft. "Da gibt es viel Schlimmeres. Immerhin hat Foda ein System, das er bedingungslos durchzieht", sagte Blumenau dazu. Wenn sogar Blumenau indirekt die Verpflichtung gut heißt, sagt das schon einiges aus. Gleichzeitig wird dadurch jedoch - so zumindest der Anschein aus meiner Sicht - eine größere Strukturreform verhindert. Foda wird zwar - hoffentlich - mehr Kompetenzen erhalten und vor allem auch "leben" als Constantini.

 

Die Arbeit von Windtner, Ludwig & Co wird jedoch nicht in Frage gestellt. Wie schon vorher analysiert, sind hier laut Ruttensteiner keine Fehler passiert. Es ist einfach eine Frage der Zeit. Martin Blumenau, der übrigens als Internet-Blogger eine bessere Figur macht als in einer Live-Diskussion, formulierte es relativ zeitnah nach dieser  Diskussion in seinem Blog so:  Tiefgehende Analyse der sportlichen Talfahrt, des taktisches Debakel und der katastrophalen Kommunikationspolitik der Ära Constantini wird es nicht geben - das hat die schnelle Kür verhinder. Strukturreformen wie die Vereinheitlichung der Strategie in den Jugendnationalmannschaften (samt Übergang ins A-Team) wird es nicht geben: ist laut Ruttensteiner nicht nötig, weil eh alles super.

 

Bezüglich der Erlaubnis, mit Foda Gespräche zu führen, ist übrigens eine offene Frage wieder akut geworden: Wurde jetzt das Anforderungsprofil bereits updgedatet, wie es Windtner vergangenen Dienstag angekündigt hat? Eigentlich wollten sich die "Experten" erst diese Woche treffen. Oder wird auf die Anwendung dieses Profil sowieso verzichtet? In dem Fall war es dann sowieso nur ein PR-Gag, diese Sache mit dem Profil.  

 

Fazit: Mit der raschen Verpflichtung von Foda würde der ÖFB die strukturelle Diskussion zu ersticken versuchen. Foda ist der Mittelweg aus kompetentem Trainer, der jedoch den ÖFB gut genug kennt, um nicht unrealistische Sturktur-Änderungen zu fordern. Foda hätte jedoch auch die Power, das Team mit dem derzeitigen Potenzial auf Platz 2 zu führen.

 

Mit diesem Text soll ein Teamchef Foda nicht verhindert werden. Nein! Die Chance auf eine nachhaltige Entwicklung, den österreichischen Fußball zu verbessern, wird dadurch jedoch nicht eingeleitet. Denn solange Gigi "Neugebauer" Ludwig und Co im ÖFB das Sagen haben, wird es grundsätzlich nicht strukturell besser werden. Egal ob der Teamchef Foda, Constantini oder sonst wie heißt.

 

In diesem Sinne: Alles super, oder was?
 

die_91_minutenLiebe Fußballfans! Ihr seid es gewohnt, von uns einen ungeschminkten Blick hinter die österreichischen Fußball-Kulissen zu bekommen. Bevor ihr euch jedoch die folgenden Zeilen zu Gemüte führt, möchte ich euch warnen. Das Lesen dieses Textes kann euch die letzte Hoffnung nehmen, dass Österreichs Fußball in den nächsten Jahren eine positive Entwicklung nehmen wird.

 

In die Reihe der kuriosen Aussagen über die ÖFB-Zukunft haben sich – wie wir erst Heute bemerkt haben – vor einigen Tagen auch Hans Gartler, Niederösterreichischer Verbandspräsident, und sein Kollege aus dem Burgenland, Karl Kaplan, gesellt. In einem Artikel der NÖN („Egal, wer auf der Bank sitzt“), der bereits am 5. September erschienen ist, machen sich die beiden über Constantini & Co ihre Gedanken. Und diese haben es in sich!

 

Ein paar Leckerbissen:

Gartner:  „Was haben wir uns gegen Deutschland denn erwartet? Für mich ist entscheidend, dass wir mit Aserbaidschan und Kasachstan mithalten können – denn das ist im Moment unsere Kragenweite.“

 

Zum Thema Constantini meinte Gartner, dass man erst nach den Spielen gegen Aserbaidschan und Kasachstan eine Abrechnung machen könne. Gartner: „Ist beim ÖFB-Team etwas weitergegangen, und ist Didi Constantini der richtige Mann auf dieser Position?“

 

Der burgenländische Verbandschef Karl Kaplan setzt dem ganzen jedoch noch die Krone auf.

 

Er meint: „Ich halte von der ganzen Teamchef-Diskussion überhaupt nichts. Ob der ÖFB-Cheftrainer jetzt Maier, Huber oder sonst wie heißt, ist doch völlig egal. Entscheidend ist, dass wir ihm die Chance geben, über einen längeren Zeitraum mit dem Nationalteam arbeiten zu können und etwas aufzubauen. Ein Neuer fängt doch erst wieder bei Null an“

 

Außerdem ist Gartner sicher nicht für eine ausländische Lösung zu haben: „Einen teuren Teamchef um 400.000 Euro pro Monat können und wollen wir uns nicht leisten.“ Kaplan stimmt Gartner zu. „Wo führt das hin? Wir werden dadurch ja nicht besser.“

 

In diesem Sinne zitieren wir den Langen: „Das ist Fußball, für Österreich“

 

die_91_minutenBundesliga-Präsident Hans Rinner, der gestern Mittwoch ebenfalls gemeinsam mit ÖFB-Präsident Leo Windtner im ÖFB-Direktorium (gemeinsam noch mit den Landespräsidenten Gartner (NÖ), Prechtl (OÖ), Geisler (T)) die Vertragsverlängerung von Constantini ausschloss, um gleichzeitig Constantini quasi als Interimstrainer wieder zu beauftragen, hat heute gegenüber der APA seine Wunschvorstellungen bzgl. des neuen Teamchefs präzisiert.

 

Und wie wir das von österreichischen Funktionären sowie Politikern gewohnt sind, wurde wieder einmal jede Menge heiße Luft produziert. Manchmal wäre es taktisch besser, kein Interview zu geben. Doch alles der Reihe nach:

 

Rinner sagte über den kommenden Teamchef: „Er muss zu Österreich passen, Professionalität besitzen und akribisch arbeiten. Für mich ist wichtig, dass er für den Fußball sieben Tage die Woche lebt, 24 Stunden dafür da ist und das womöglich 365 Tage im Jahr“.

 

Gut gebrüllt! Alles klar? Vielleicht Chuck Norris?

 

Immerhin hat Rinner noch folgendes gesagt: „Wir müssen uns von der Nostalgie früherer Jahrzehnte verabschieden und zur Kenntnis nehmen, dass sich die Fußballwelt geändert hat“.

 

Die Aussage hätte auch von den Taktikjungs von ballverliebt.eu sein können. Leider blieb Rinner im Vergleich zu den versierten Fußball-Experten eine nähere Erklärung zu dieser Aussage schuldig.

 

In weiterer Folge ließ Rinner mit einem weiteren Sager aufhorchen. Rinner meinte in Anspielung auf das Anforderungsprofil für den kommenden Teamchef: „Die Professionalität wird in den Vordergrund gestellt, da haben wir Potenzial nach oben".

 

100%ige Solidarität! Gibt es schon konkrete Ideen dazu oder bleibt es beim inhaltsleeren Phrasendreschen?

 

Hoffentlich hat Hans Rinner fünf Euro ins Phrasenschwein geworfen. Denn mit diesen Antworten wäre er bei ServusTV im Talk oder bei einer deutschen Talksendung nicht durchgekommen.

 

In einem Punkt – einem wichtigen – widerspricht Rinner dann sogar, wenn auch sicher nicht beabsichtigt, dem ÖFB-Präsidenten. Während Windtner gestern noch der Meinung war, dass man in den kommenden Tagen das Anforderungsprofil des Teamchef-Posten adaptieren müsste, ist Rinner der Meinung, dass dies bereits geschehen sei.

 

Denn laut APA war heute zu lesen: Das Direktorium ist laut Rinner das Anforderungsprofil durchgegangen und habe es in wesentlichen Punkten spezifiziert und definiert.

 

Was jetzt? Wurde das Anforderungsprofil jetzt definiert? Wird es erst definiert? Wenn es gestern bereits definiert wurde, dann innerhalb dieser 1,5 Stunden, wo noch alle anderen Themen wie Vertragsverlängerung, etc. besprochen wurden?

 

Ohje, liebe Fußballfans - und wieder einmal herzlich willkommen in der obersten Managementebene der österreichischen Fußballwelt!

 

die_91_minutenLiebe Fußballfans! Wer bis heute noch einen letzten Funken Hoffnung gehabt hat, dass ÖFB-Präsident Leo Windtner heute das Zepter in die Hand nimmt und Klartext spricht, wurde wieder einmal maßlos enttäuscht. Nicht nur das. Der ÖFB-Präsident hat unter Beweis gestellt, dass Österreich zu Recht international belächelt wird. Und solange Windtner und Gigi Ludwig nicht den Weg frei machen für Profis, die diese Bezeichnung auch verdienen, wird sich daran wenig ändern. Das ist die harte, österreichische Fußballrealität im Jahr 2011. Traurig, aber wahr!

 

Was hinter den Kulissen heute Früh und Vormittag beim Frühstück mit Constantini und anschließend in der Präsidiumssitzung der ÖFB vorgefallen ist, können wir nur erahnen. Es würde bei einer dieser RTL-Top-25-Sendungen zum Thema „Die 25 unprofessionellsten Organisationen der Welt“ in die  Top 3 kommen – wenn nicht sogar gewinnen.

 

Das, was uns Leo Windtner heute im Rahmen einer Pressekonferenz als „Ergebnis“ präsentierte, ist eine Bankrotterklärung für den ÖFB und einmal mehr ein Beweis für die unglaubliche Führungsschwäche von Windtner. Man darf nicht vergessen: Dieser Mann führt einen milliarden-schweren Energie-Konzern. Dieser Mann muss eigentlich ein Profi sein. Eigentlich …

 

Doch ähnlich wie die ÖFB-Spieler bei ihren Vereinen Profis sind und Top-Leistungen erbringen jedoch dann im Teamdress plötzlich kläglich scheitern. Ja, so ähnlich stelle ich mir das bei Leo Windtner vor.

 

Kurzer Rückblick: Das ÖFB-Präsidium hat heute beschlossen, dass Didi Constantini seinen bis Ende des Jahres laufenden Vertrag erfüllen wird. Gleichzeitig begibt man sich auf die Suche nach einem neuen Teamchef. Zuvor muss jedoch laut Windtner das Anforderungsprofil des Teamchefs adaptiert werden. Anscheinend ist das bisherige Anforderungsprofil nicht mehr gültig – antiquiert sozusagen.

 

Jancker sucht neuen Teamchef?

Adaptiert wird es – so sagte es Windtner heute – von „Experten“. Welche Experten dies sein werden, konnte Windtner auf die Schnelle nicht sagen. „Es gibt genügend im ÖFB“ und nannte noch ein paar Namen, die im Dunstkreis irgendwelcher Kommissionen irgendwelche Funktionen ausführen.  Sogar Carsten Jancker wurde genannt. Witzig! Nein, nicht witzig - Realität!

 

Und da war sie dann, die logische Frage eines Journalisten: Was, wenn der neue Teamchef relativ schnell gefunden wird - möglicherweise noch vor den beiden letzten Quali-Spielen? Bleibt dann Constantini im Amt? Muss er dann das Feld räumen? Fragen, die Windtner nicht beantworten konnte oder wollte. Constantini sprang ein: „Ich werde nicht mehr auf der Bank sitzen, wenn es bereits einen neuen Trainer geben sollte“.

 

„Ich bin für die beste Lösung, die zu uns passt“

Übrigens hat Windtner bereits eine konkrete Vorstellung, welche Qualifikationen der Teamchef haben sollte. Er sagte: "Ich bin für jede Lösung offen. Ich bin für die beste Lösung, die zu uns passt." Außerdem stammelte er etwas von „Qualität hat Vorrang“.

 

Ziemlich konkret – wobei da hat Windtner unsere volle Unterstützung. Auch wir sind für die beste Lösung, die zu uns passt.

 

Irrwitzig! Traurig!

 

Liebe Fußballfans! Das ist die ungeschminkte Realität, wie ich sie heute als Kenner der Szene wahrgenommen habe. Ich bin frustriert und verärgert. Ich hätte heute gerne über eine Aufbruchsstimmung berichtet. Stattdessen wurde ich aufgeweckt.

 

Es bleibt leider ein Traum. Ein Traum, von einem nachhaltig & professionell agierenden ÖFB – nicht jedoch unter Windtner und Langzeit-Funktionär Gigi „Neugebauer“ Ludwig.

 

Ich habe fertig!

 

die_91_minuten"Bei allem Verständnis über Ihre Verärgerung nach der vorgestrigen – vorzeitig beendeten - Pressekonferenz darf ich Sie im Gegenzug um Ihr Verständnis bitten, dass wir diese Causa nicht weiter öffentlich kommentieren möchten und werden. Sie dürfen sicher sein, dass wir intern mit allen Beteiligten des ÖFB sehr ernsthaft über die Begleiterscheinungen der gestrigen Veranstaltung sprechen werden. Wir bedauern selbstverständlich - nach eingehendem Anhören und –sehen der Videoaufzeichnung - die gewählte Ausdrucksweise, möchten aber darauf hinweisen, dass das kurze „Gespräch" von Franz Wohlfahrt und Manfred Zsak nach dem Ende der offiziellen Pressekonferenz stattfand und der Inhalt in keinster Weise für Dritte bestimmt war."

 

Dieses Statement ließ uns Leo Windtner, der sich gerade auf dem Weg nach Paris zum Homeless World Cup befindet, auf unsere vier Fragen übermitteln, die wir ihm gestern, Mittwoch gestellt hatten.

 

Warum hatten wir ihm diese vier Fragen gestellt? Nicht, weil wir wegen des Trottel-Sagers beleidigt wären. Nein, eigentlich im Gegenteil: Das lässt uns eigentlich ziemlich kalt. Wir wollten auf die dadurch entstandene Außenwirkung des ÖFB anspielen, die derzeit ein ziemlich unprofessionelles Bild abgibt. Didi Constantini bricht Pressekonferenzen ab, Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt beschimpfen einen 90minuten.at-Journalisten. All dies passiert noch dazu vor den Kameras des ZDF - und die ZDF-Redakteure können nicht glauben, was sie so eben erlebt haben.

 

Wir haben diese Fragen gestellt, weil wir uns wie viele andere Fans gedacht haben: "Das kann es doch nicht sein, oder? Ist das ein professionell geführter Verband?" Und ohne jetzt mit den Sponsoren persönlich gesprochen zu haben, denke ich jedoch, dass diese mit dem Trottel-Sager in Verbindung mit den Sponsoren-Logos im Hintergrund auch nicht gerade "amused" gewesen sind.

 

Was soll man einem deutschen Kollegen noch sagen, der nach der Pressekonferenz zu mir meinte: "Ihr habt dem Namen Operettenliga heute aber wieder alle Ehre gemacht". Man kann nur schweigend zustimmen. Oder wie würde es Stefan Maierhofer vielleicht formulieren? "Das ist Fußball - für Österreich". Oder um eher einen nicht weiter relevanten Politiker einer nicht weiter nennenswerten Partei zu zitieren: "Gute Nacht Österreich".

 

Leo Windtner steckt also den Kopf in den Sand. Wie ein Kind im Kindergarten. Schön, dass er zumindest intern sogar "sehr ernsthaft über die Begleiterscheinungen der gestrigen Veranstaltung" sprechen will. Wen juckt das noch? Zsak, Wohlfahrt und Constantini werden bald ÖFB-Geschichte sein und werden die Kopfwäsche über sich ergehen lassen.

 

Der Öffentlichkeit - so die Meinung Widntners - ist der ÖFB aber anscheinend keine Rechenschaft schuldig. Das ist falsch, wie auch Thomas Pöll von sportnet.at gestern bereits in dem äußerst treffenden Kommentar "Das Ö-Team ist kein Privatspielzeug" bemerkte.

 

Diese Antwort zeigt, dass es an der Zeit ist, nicht nur einen Wechsel von Constantini, Zsak und Wohlfahrt zu fordern. Nein, diese Antwort und die Entwicklung der letzten Jahre zeigen, dass es an der Zeit ist, dass die Verantwortungsträger im ÖFB ihren Hut nehmen. Ja ich weiß - es ist eine Forderung, die nicht in Erfüllung gehen wird.

 

Gigi Ludwig wird seinen Sessel erst dann räumen, wenn er in Pension geht. Und dass Leo Widntner von sich aus zurücktritt ist ungefähr genauso wahrscheinlich wie wenn sich Österreich für die Euro 2012 qualifizieren wird.

 

Bis dahin müssen wir die Hoffnung auf Besserung, die Hoffnung, dass Jobs und Aufträge ausschließlich aufgrund von Qualitätsmerkmalen vergeben werden, begraben.

 

In diesem Sinne: Ja, wir sind und bleiben eine Operettenliga. Es ist frustrierend!

 
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