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Tag:qualität

logo_qualitaetsjournalismusDie Spiele der Bundesliga sind konstant schlecht. Das liegt auch daran, weil ehemalige Kickergrößen ohne große Anstrengungen einen Platz als Trainer bekommen. Ein ganzes System trägt Schuld daran.

von Gerald Gossmann

 

Peter Schöttel ist beleidigt. Rapids Tabellenführung wird nicht gewürdigt, dazu wollen die Fans nicht jubeln, sondern lieber pfeifen. Ricardo Moniz ist auch beleidigt. „Es ist eine Provokation, wenn man mich fragt, wann ich zurücktreten werde“, sagt er, während seine Mannschaft, wie die gesamte Liga, auf unterirdischem Niveau dahindümpelt.

 

Teamchef Marcel Koller verweigert mittlerweile jeglichen Kommentar zu Bundesligaspielen und zeigt sich damit trotzdem aussagekräftig.

 

Aber wo liegen die Gründe für die Nivellierung der Liga in ungeahnte Niederungen? Ein Grund bleibt, dass die Klubverantwortlichen die Person des Trainers und eine Spielphilosophie noch immer als zu wenig wichtig erachten. 

 

Peter Schöttel beispielsweise hat den Umstieg vom Wr. Neustadt-Coach zum Rapid-Trainer noch immer nicht bewältigt. Bei Wr. Neustadt war es für Schöttel wohl die klügste Variante auf Basis einer guten Organisation zu agieren. Die Großen müssen angreifen, Konter kommen so sicher wie das Amen im Gebet. Der ehemalige Pasching-Erfolgstrainer Georg Zellhofer bietet sich da als guter Vergleich an. Auch er machte sich bei einem Mittelständler einen Namen, wechselte zu Rapid, später zur Austria und scheiterte daran, weil eine biedere Organisation der Mannschaft, die aber nicht wirklich auf Spielgestaltung setzt, bei einem Großklub eben nicht reicht. Das Problem war abzusehen. Das Anforderungsprofil zu seiner Bestellung forderte aber ohnehin keinen modernen Trainer, sondern eine Grün-Weiße Ikone. 

 

Schöttel zeigt sich bislang als widersprüchlich: Er erzählt zwar in Interviews von taktischen Maßnahmen und gezielter Vorbereitung im Training, die die Kreativität seiner Mannschaft erhöhen sollen. Zu sehen ist dann aber eine Angsthasentaktik ohne wirklichen Plan nach vorne. Da klaffen Erzähltes und Praktiziertes weit auseinander. Am Platz überwiegt ausschließlich die Angst vor Niederlagen. Rapid ist zwar seit elf Spielen ungeschlagen - sieben Mal davon wurde aber remisiert, viermal gab es ein 0:0. Vastic sieht in seiner destruktiven Strategie sogar einen aufgegangenen Plan. Und bei Salzburg ist bis heute noch nicht klar, ob Trainer Moniz überhaupt die Qualifikation für einen Cheftrainer mitbringt. Immer öfter kommt der Spartentrainer in ihm hervor, wenn er nach einem Spiel ausschließlich die mentale Komponente einer Analyse unterzieht.

  

 

Auch wenn sich Schöttel oder Vastic öffentlich moderner als ihre Urtrainerväter Krankl und Pacult verkaufen – einem internationalen Anspruch wird man damit noch lange nicht gerecht, wenn man Lactat-Tests und Videoanalysen ihre Berechtigung zubilligt. Außerdem scheint die neue Trainergeneration nur so lange erfolgreich zu sein, so lange man Wr. Neustadt oder Innsbruck trainiert und abwartend und etwas spielzerstörend agieren kann. Alles andere überfordert sie. International ist man da schon einige Schritte weiter.

 

Ein Inzucht-System ohne Erfolgsformel

Zwei große Probleme tauchen bei Trainerbestellungen in Österreich auf: Trainer werden weiterhin ausschließlich nach Wesensmerkmalen und ihrem Status in der kleinen österreichischen Fußballwelt bestellt. Auf den emotionalen Krankl folgte auf Nationalmannschaftsebene der nüchterne Hickersberger. Bei Rapid folgte auf den wilden, stänkernden Pacult, der ruhige, sachliche Schöttel. Und es ist darauf zu wetten, dass auf den ruhigen Schöttel der laute Kühbauer folgen wird. Das hat lange Tradition, auch wenn Wesensmerkmale bekanntlich nichts über die fachliche Qualität eines Trainers aussagen. Eine Vergangenheit als glanzvoller Kicker ebenso wenig.

 

Die deutschen Tuchel, Slomka, Klopp oder Favre wurden nach ihren fachlichen Qualitäten bestellt und verstehen es bei ihren Klubs zu überzeugen. Wo aber gibt es in Österreich diese jungen, hungrigen, fachlich arbeitenden Jungspunde? Im letzten ÖFB-Trainerlehrgang zur höchsten Trainerlizenz saßen von 15 Teilnehmern ebensoviele Ex-Profis, die anschließend allesamt die österreichische Bundesliga als ihr Arbeitsfeld sehen. Ein Inzucht-Vorgang, der nach der 78-er Spielergeneration jetzt die 98er-Helden von einst in die Bundesliga befördert. Eine Wachablöse ohne korrigierten Systemfehler.

 

Während sich die Tuchels, Klopps und Slomkas ihren Platz in der Deutschen Bundesliga, aufgrund fehlender Bekanntheit,  hart erkämpfen mussten, fällt den Schöttels der Liga ein Trainerposten mehr oder weniger in den Schoß. Ohne große Anstrengungen, ohne viel Vorarbeit, die geleistet werden müsste. Also sind auch große Ambitionen und Visionen nicht nötig. Ein Platz in der Bundesliga ist schnell erreicht, mehr will man nicht.

 

Keine Vision für die große Chance

Die neue österreichische Trainergeneration um Schöttel und Vastic hat zwar verstanden, dass man sich der Moderne nicht verschließen darf. Jedenfalls, wenn man in Interviews zu Videoanalysen oder taktischen Spielereien befragt wird, weil alles andere mittlerweile öffentlich beschossen werden würde. Daher sind auch immer wieder vernünftige Stellungnahmen der neuen Trainergeneration zu lesen. Wären da nicht die Fußballspiele am Platz, die alle Aussagen als Luftblasen entlarven.

 

Dabei hätte man eine große Chance: Österreichs Klubfußball hat, auch durch den veränderten Modus der UEFA und auch durch vereinzelt gute Leistungen in den letzten Jahren, die Möglichkeit einen Fixplatz in der Champions Leaque zu erreichen. In einer Liga, deren Funktionäre die Wichtigkeit der Kompetenz des Trainers aber immer noch nicht kapiert haben, scheint das wenig realistisch.

 

logo_qualitaetsjournalismusDie 0:4-Niederlage gegen Metalist wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf Salzburg – die ganze Liga müsste umdenken, will sie auf Dauer international reüssieren.

von Gerald Gossmann

 

Aggressives Pressing liegt den Salzburgern nicht. Kann es auch nicht. Treffen sie doch im trüben Liga-Alltag ganz selten, vielleicht sogar nie, darauf. Die österreichische Bundesliga besteht aus leicht  berechenbaren Klubs, die sich auf Pseudo-Strategien verlassen, mit denen man sich untereinander aber nicht wirklich weh tut. Das zeigte auch Wr. Neustadt gegen Rapid vergangenes Wochenende. Schöttel wartete auf eine Standardsituation, die Rapid vielleicht ins Spiel bringen würde. Stöger begnügte sich überhaupt wunschlos. Ein Fußballspiel gestalten, den Gegner zu Fehlern zwingen, aggressives Pressing – all das gibt es in Österreich nicht. 

 

Welche spielerische, taktische Philosophie verfolgt Salzburg? Ich weiß es nicht. Welche Philosophie verfolgt Rapid? Schöttel erzählt zwar ständig von kreativem Spiel, das man auch mittels eintrainierten Spielzügen kreieren möchte. Am Feld ist davon wenig zu sehen. Da klaffen die Formationen auseinander, fehlt jeder Ansatz in Richtung internationales Anspruchsdenken, das Österreichs Klubs aber dringend benötigen würden, um nach vorne zu kommen. Österreichs Fußball bräuchte eine einheitliche Philosophie von Fußball.

 

 

Will man im modernen Fußball nur ein kleines Wörtchen mitreden, kommt man dabei um die Eckpunkte aggressives Pressing, schnelles Umschalten, hoch Verteidigen etc. (natürlich variabel auf den Gegner zugeschnitten) nicht herum.

 

Natürlich ist Salzburg überrascht über das Dauerpressing der Ukrainer. Natürlich folgt daraus ein Fehlpass nach dem anderen. Da hilft auch kein „Wir wollen euch kämpfen sehen“ der Zuschauer auf den Rängen, weil der Kampf gar nicht angenommen werden kann, weil er im Vorfeld verloren wurde. Wo eine taktische Philosophie fehlt, die den Weg zum Sieg ebnet, hilft auch kein plumper Kampf mehr.

 

Auf eine gemächlichen Tag des Gegners zu hoffen wird zu wenig sein

rbsvsmet_gepaPaul Gludovatz forderte Marcel Koller dazu auf, seinen Blick doch vermehrt auf die Spieler der österreichischen Liga zu werfen, anstatt dauernd nach Deutschland zu schielen, in eine Liga die ohnehin überbewertet sei. Aber was kommt heraus, wenn Marcel Koller dem Wunsch von Gludovatz Folge leistet? Im Länderspiel gegen die Ukraine stand mit Franz Schiemer nur ein Nicht-Legionär auf dem Feld. Er war der einzige gestandene Bundesligaspieler und gab dabei ein Bild ab, das jenem der Salzburger-Kicker gegen Metalist ähnelte. Weil aggressives Pressing jeden Bundesligaspieler überfordert, weil er es schlichtweg nicht gewohnt ist, weil man sich einigelt in einer Liga, die glaubt darauf verzichten zu können, die glaubt, dass man gegen jeden Gegner auf Abwarten spielen kann, weil es das Risiko minimiert. In einer Liga, deren Öffentlichkeit glaubt, dass es sich um taktische Meisterleistungen handelt, wenn ein abwartend orientiertes Team gegen einen abwartenden Gegner triumphiert. All das funktioniert international aber nicht wirklich, jedenfalls dann nicht, wenn der Gegner aggressives Pressing spielt und schnell zwischen Defensive und Offensive umschaltet. Wie im Falle von Salzburg gegen Metalist.

 

Die Ausrede mancher Trainer, man könne sich nur an vorhandenem Spielermaterial orientieren und das ließe eben keine anderen Strategien zu, gilt dabei nicht. Gerade auf Klubebene können strategische Maßnahmen und eine Philosophie schneller umgesetzt werden, weil Zeit vorhanden ist. Würde eine funktionierende Strategie ausschließlich mit dem besseren Spielermaterial einhergehen, dürfte wohl M´Gladbach nicht zweimal über die Bayern triumphieren und um die CL-Plätze mitrittern. Weitere Beispiele gibt es zur Genüge.

 

Die österreichische Liga muss umdenken, wenn sie in Zukunft international weiterkommen will. Zu hoffen, dass der Gegner einen gemächlichen Tag erwischt hat oder mit einer gehörigen Portion Arroganz antritt, wird zu wenig sein. Ohne Strategie gegen moderne, offensive, detailverliebte Strategien wird das aber nicht gehen. Ohne Ligaumspannendes Umdenken auch nicht.

 

logo_qualitaetsjournalismusInternetportale definieren die Rolle der Sportberichterstattung in Österreich neu. Dabei taucht eine Grundsatzfrage auf: Wie weit darf man die Mächtigen, die Strippenzieher und die Vorgänge im und um den österreichischen Fußball eigentlich kritisieren, ohne in den Verdacht des Bashings zu geraten?

von Gerald Gossmann

 

Fußballportale im Internet gewinnen an Bedeutung. Das liegt vor allem daran, weil sie die Rolle, die eigentlich die Sportressorts der großen Tageszeitungen erfüllen sollten, ausfüllen. Es wird kritisch hinterfragt, nachgehakt, es werden Widersprüche aufgezeigt und den Mächtigen des österreichischen Fußballs auf die Finger geschaut, bei Bedarf auch geklopft. Das ist neu in der österreichischen Sportberichterstattung und unterscheidet sich vom bisherigen Zugang, der sich hauptsächlich um die Schmackhaftmachung des Produkts Fußball drehte. Was aber nicht wirklich Aufgabe der Journalisten ist und ihren wirklichen Auftrag damit ad Absudrum führt.

 

Nachdem aber Fußballberichterstattung in Österreich über Jahrzehnte genau mit dieser Art von PR-Mischmasch in Verbindung gebracht wird, ist sich ein Teil der Leserschaft nicht mehr bewusst, welchem Grundauftrag Journalisten (auch im Sportressort) eigentlich nachzugehen haben.

 

Dass die ÖFB-Trainerausbildung ehemalige Kickergrößen bevorzugt und somit eine manipulierte Trainergeneration heranzüchtet, wurde an dieser Stelle aufgedeckt. Die Rolle des Herbert Prohaska rund um die Teamchefbestellung von Marcel Koller ebenso. Während die großen Tageszeitungen Gustomacher auf Derby, Länderspiele, Bundesligastarts etc. publizieren, aber auf kritischen Journalismus beinahe vollständig verzichten, entwickelt sich der Sportjournalismus im Internet zu einer seriösen Ausformung seiner Gattung.

 

Der Fußballfan ermüdet bei anhaltender Kritik zusehends schneller

Der Sportjournalismus hat aber gegenüber den Politik- und Wirtschaftsressorts den Nachteil, dass der Leser kritische Sportberichterstattung nicht mehr gewohnt ist. Während Wirtschaftsredakteure unentwegt Machenschaften aufdecken und ein Kontrollorgan der Mächtigen darstellen, ermüdet der Fußballkonsument bei anhaltender Kritik an einem Zustand zusehends schneller. Nach dem Motto: Kritik gut und schön, aber jetzt muss auch einmal Schluss sein. Immer wieder wird anhaltende kritische Berichterstattung beim Publikum als unfaire Hetzjagd wahrgenommen. Aber ist sie das?

 

Der „Spiegel“ schrieb dazu kürzlich in Anlehnung an die Debatte um die Wulff-Berichterstattung: „Das Publikum ist kein zulässiger Indikator für die Qualität und Angemessenheit einer Berichterstattung. Das liegt nicht nur daran, dass ein Teil natürlich parteiisch ist und es ablehnt, wenn eine bestimmte Person mit kritischen Fragen konfrontiert wird. Auch die Ermüdung des Publikums kann kein Argument dagegen sein, einer Sache auf den Grund zu gehen. Im Gegenteil: es zeichnet guten Journalismus aus, weiter zu recherchieren, auch wenn die Aufmerksamkeitsspanne der Schaulustigen längst überschritten ist.“ Das gilt auch für den Bereich des Sportjournalismus.

 

Wo hört Kritik auf, wo beginnt Bashing?

Herbert Prohaska und Didi Constantini hatten auf Internetportalen durchwegs schlechte Presse, die aber auf sachlichen Argumenten gründete. Gerade hier wurde von einem Teil der Leserschaft eine Art Hetzjagd gesehen. Der Vorwurf des Bashings wurde laut. Auch von Medienvertretern. So schrieb etwa der Ballesterer in Anlehnung an diese Kolumne: „Bloßes Prohaska-Bashing macht noch keine funktionierende Taktik.“ Demnach dürfte aber auch keine sich wiederholende Kritik an der Wirtschaftspolitik von EU-Staaten angebracht werden, weil das alleine noch keine positiven Staatshaushalte garantiere. Oder keine Kritik an Karl-Heinz Grasser, weil das alleine den Korruptionssumpf nicht ausrotten wird.

 

Der Vorwurf des Bashings wäre dann angebracht, wenn Journalisten immer wieder dieselben Argumente in den Ring werfen, nur aus anderen Richtungen, leicht adaptiert, aber im Grunde unverändert. Oder wie rund um die Arnautovic-Berichterstattung, als kleinste Verfehlungen und harmlose Anekdoten zu großen Geschichten aufgeblasen wurden. Hier trifft der Vorwurf des Bashings zu. Aber die Suche nach neuen Argumenten, nach neuen Widersprüchen und nach Ungereimtheiten (auch wenn sie immer wieder denselben Kreis an Personen betreffen sollten) ist nicht nur legitim, sie ist auch notwendig. Ob der Leser dabei ermüdet oder nicht ist zweitrangig.

 

Die Krönung von unkritischem Journalismus

Wie weit Eventjournalismus und das PR Mischmasch führen können, zeigte der Deal des ORF mit dem ÖFB vor dem Heimeuropameisterschaft 2008, wo positive Berichterstattung erpackelt wurde, um die Begeisterung im Land zu erhöhen. Was aber schlussendlich die Krönung von unkritischem Journalismus darstellte und im schlimmsten Fall sogar negativ auf den Fußball selbst einwirkt, weil die kritische Instanz als Gegenpol fehlt, die aber für die Weiterentwicklung unabdingbar ist.

 

Ein aktuelles Beispiel:

Wenn also der ÖFB eine langfristige Strategie propagiert, in der die Durchgängigkeit der Spielphilosophie oberste Priorität hat, und der neu installierte U21-Coach genau das Gegenteil zu seinem Arbeitscredo ausruft, ohne einen großen Aufschrei der Medien zu ernten, dann stellt sich nicht die Frage des Bashings, sondern ob österreichische Sportjournalisten ihren Arbeitsauftrag überhaupt begreifen.

   

Linktipps:

Willi Ruttensteiner: Der Messias, the “lame duck” oder der böse Hänsel? (90minuten.at)

Werner Gregoritsch: Jugendwahn, zu optimistisch und zu human (90minuten.at)

Werner Gregoritsch - Der Feind in meinem Bett (90minuten.at)


 

logo_qualitaetsjournalismusNach Zsak und Wohlfahrt bekommt auch Gregoritsch einen ÖFB-Posten. Der Reformgedanke wird dabei zurück gedrängt. Die Situation birgt Konfliktpotenzial.

von Gerald Gossmann

 

Werner Gregoritsch wurde dem ÖFB-Präsidenten von seinen Landesverbandspräsidenten empfohlen. Präsident Windtner und Willi Ruttensteiner sollen von der Idee sofort begeistert gewesen sein. Und das obwohl Gregoritsch wenig vom neuen Weg des ÖFB hält. Gregoritsch war vor wenigen Monaten Rädelsführer in der wenig objektiven Diskussionsrunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wo deren Diskutanten darauf abzielten gegen Ruttensteiner, Reform und den neuen Teamchef zu wettern.

Ein kleiner Auszug, zur Erinnerung.

 

Zur Wahl Marcel Kollers:

Gregoritsch: „Wir geben in Österreich allen Menschen eine Chance. Das ist schön, dass wir so ein tolerantes Land sind, aber man muss einmal schauen, wie die Situation ausschaut, wenn man als österreichischer Trainer irgendwo hingeht.“

„Für den Otto Normalverbraucher aus der Kantine ist diese Entscheidung enttäuschend, wenn ein Marcel Koller kommt, der zwei Jahre nicht gearbeitet hat.“

 

Zu Reformgedanken des Willi Ruttensteiner:

„Ich hab den Willi Ruttensteiner sehr gern – aber man muss einmal klar sagen: Er ist nicht der David Copperfield.“

Gregoritsch wollte nicht einsehen, warum man einen Ausländer hole, wo doch im Ausland keiner einen Pfifferling auf einen Österreicher setzt. Gregoritsch hätte gerne einen Kühbauer gesehen oder einen Herzog. Aber es wurde der Ausländer.

 

Meinungswandel bei Gregoritsch? Eher nicht.

Jetzt hat plötzlich Gregoritsch einen Posten beim ÖFB. U21-Coach. Das ist nicht unwichtig. Da ist ein guter Draht zu den Herren Koller und Ruttensteiner von Nöten. Auch die Überzeugung, dass die neue Struktur des ÖFB die Richtige ist.

Aber ist davon auszugehen, dass sich Gregoritsch´ Präferenz für einen österreichischen Teamchef und seine Abneigung gegen zuviel Reform in den letzten Monaten rudimentär geändert hat?

Wohl eher nicht.

 

Er wird zwar bekunden, nichts gegen die Person Koller gesagt, sondern nur Fürsprachen für seine Landsleute ergriffen zu haben. Glaubwürdig wäre das nicht wirklich.

Mit Zsak, Wohlfahrt und jetzt Gregoritsch sitzen drei Granden, drei Vorzeigebeispiele, der Reformverweigerung in wichtigen Positionen beim ÖFB. Zsak ist U18-Coach. Wohlfahrt Torwart-Chefausbildner und Gregoritsch jetzt U21-Teamchef. Es sieht nach einem typisch österreichischen Kompromiss aus. Wenn schon der Teamchef und sein Assistent aus dem Ausland kommen müssen, dann bitte an den anderen Stellen die Unsrigen. Egal ob fachlich dafür geeignet oder nicht. Und weil man die immer noch mächtigen Prohaskas nicht vergrämen will und die vergebenen Posten in der Öffentlichkeit für kein großes Echo sorgen, bietet sich ein Kuhhandel ideal an.

 

Ist Durchgängigkeit schon wieder Geschwafel von Gestern?

Zwei Gründe sprechen gegen die Installierung von Werner Gregoritsch als U21-Teamchef:

Erstens: Den Jungkickern wären endlich topqualifizierte Trainer zu wünschen, so wie es auch im Sinne der Reform gewesen wäre. Und: es bleibt die Frage, wie lange sich eine dominante Trainerperson, wie Gregoritsch, eine Spielphilosophie anordnen lassen wird. Oder ob die Durchgängigkeit gar schon wieder Geschwafel von Gestern sein könnte. Im Interview mit sportnet.at betont Gregoritsch schon einmal, sich weder in Sachen Ausbildung noch bei der Philosophie reinreden zu lassen. Wie seine Philosophie denn aussehe? Das wisse er noch nicht, fix sei nur, dass er mit Viererkette spielen lassen werde.

Die Aussagen versprechen nichts Gutes und zeigen schon jetzt die Widersprüchlichkeit zwischen dem angedeuteten Weg der ÖFB-Reform und der ausgeführten Praxis auf.

 

Und zweitens: Die Gefahr für den Teamchef steigt durch die Installierung und Weiterverpflichtung der bisherigen Reformbremser beträchtlich. Vor allem Gregoritsch hat sich im Vorfeld klar und unmissverständlich gegen die Bestellung eines unbekannten, arbeitslosen Ausländers ausgesprochen. Er, Zsak und Wohlfahrt sind Teile einer Generation, die man mit Hilfe einer Reform endlich loszuwerden schien (aufgrund fachlicher Mängel in einem professionalisierten ÖFB), weil sie als Reformbremser gelten.

 

Und jetzt sind sie plötzlich Teile der Reform, die ihnen noch vor Monaten so gegen den Strich ging. Wie passt das zusammen?

Jetzt sind sie Mitarbeiter Kollers, den man ihren Favoriten Herzog oder Kühbauer vorgezogen hat. Im Falle anfänglich nicht überzeugender Spiele unter Koller, könnte es ähnlich laufen wie schon unter Brückner, der ziemlich rasch von den Puristen des österreichischen Fußballs abgesägt wurde.

 
 

logo_qualitaetsjournalismusWer Willi Ruttensteiner befragt kriegt Antworten. Wer nachfragt kriegt die Wahrheit. Ruttensteiner scheiterte mit seiner Strukturreform jahrelang an Fortschrittsverweigerern und falscher Bescheidenheit. Eine Skizze, die zeigt wie beschwerlich der Weg Ruttensteiners war, den ÖFB in die Neuzeit zu führen.

von Gerald Gossmann

 

Besuch beim neuen starken Mann des ÖFB – bei Willi Ruttensteiner. Sein Büro befindet sich gleich neben dem des Teamchefs. „Er ist so fleißig der Herr Koller und immer da“, lobt eine ÖFB-Bedienstete am Gang. Auch Ruttensteiner gilt als wenig arbeitsscheu. Die Wege der Kommunikation dürften in Zukunft kurz sein zwischen Teamchef und Sportdirektor.

 

Ruttensteiner hat eine Strukturreform, im schwerfälligen ÖFB, endlich durchgebracht. Der klügste Kopf des Verbandes hat Recht bekommen. Das ist in Österreich keine Selbstverständlichkeit. Jahrelang wurde anderen Köpfen vertraut und Krankls und Constantinis nach Belieben bestellt. Generaldirektor Ludwig sagt noch heute ungeniert, dass er damals für Krankl als Teamchef war, weil er Feuer und Motivation garantierte. Krankl und Prohaska waren es auch, die Ruttensteiner am schärfsten kritisierten.

 

„Es tut weh, wenn man Wertschätzung für seine Arbeit nicht erfährt“, sagt Ruttensteiner. „Wenn man gescheite Dinge macht, sollte man auch Respekt gezollt bekommen.“ Stattdessen gab es Querschüsse der Altinternationalen, die eine Beschneidung der Autorität Kollers mokierten, wenn Ruttensteiner sportlich mitredet. In Wahrheit waren es aber bloß erste Versuche einen Keil zwischen Ruttensteiner und Koller zu treiben, was er auch selbst im Gespräch so sieht.

 

Ruttensteiner hat dem ÖFB einen modernen Anzug verpasst. Wir wollen von ihm wissen, warum das nicht schon früher möglich war? „Es war nicht möglich“, sagt Ruttensteiner. Weil die Zeit nicht reif war, er keine Kompetenzen für das A-Team hatte und anscheinend auch intern nicht die Lobby, um gehört zu werden. „Ich war bei Teamchefbestellungen nie involviert“, sagt Ruttensteiner. Präsident, Generaldirektor und Präsidium haben die wichtigsten Entscheidungen übernommen.

 

Teilweise Zusammenarbeit mit Hickersberger, keine Philosophie bei Krankl

Wenn Ruttensteiner über ehemalige Teamchefs seiner Ära spricht, streicht er nur Pepi Hickersberger regelmäßig positiv hervor. Mit Hickersberger habe man in einigen Punkten Durchgängigkeit erzielen können. Bei Krankl habe er keine Philosophie erkennen können. Constantini lobt er für seine Aufbauarbeit, auch wenn ihm nur David Alaba (den Constantini früh debütieren ließ) als positiver Aspekt einer ganzen Teamchefära auf Anhieb einfällt. „Ich respektiere das wahnsinnig“, sagt er und führt sich kurz darauf selbst ad absurdum. Über die Bestellung Kollers sagt er: „Für mich war die Wahl ausgezeichnet. Vor allem, die damit verbundene Gewissheit, dass mit dieser Wahl hochqualitative Arbeit einsetzt. Die Leute in Österreich erkennen bereits eine Veränderung der Arbeit. Diese Akribie und die Einstellung, wirklich viel leisten zu wollen.“

 

Passt irgendwie nicht zusammen. Wenn mit Koller hochqualitative Arbeit einsetzt, muss es unter Constantini ja anders gewesen sein.

 

Das ist aber auch das große Problem Ruttensteiners. Wer sein eigenes Licht ständig unter den Scheffel stellt, wird am Ende weniger Lob ernten. Jedenfalls weniger Lob als die Krankls der Szene, die es verstehen sich in der Öffentlichkeit publikumswirksam in Szene zu setzen. Ruttensteiner betont, dass der Präsident des ÖFB für die Strukturreform verantwortlich ist, weil er sie absegnete. Nur in einem Nebensatz und auf Nachfrage erklärt er, dass er es war, der eine Analyse der Nationalmannschaft erarbeitete, sie dem Präsidenten vorlegte und ihn so überzeugte. Auch der Name Koller dürfte von Ruttensteiner ins Spiel gebracht worden sein, auch wenn er das nicht klar zugeben will. Er betont alleine, dass die letzte Entscheidung beim Präsidenten lag und zeigt sich damit Obrigkeitstreu. Wie viel Überzeugungsarbeit er dabei leisten musste, über Jahre hinweg, erwähnt er wieder nur nebenbei und auf mehrfaches nachfragen. Er erzählt, wie er vor 10 Jahren bei Arsenal London unter Arsene Wenger hospitierte und mit einem Rucksack an Modernisierungsvorschlägen für den ÖFB zurückkehrte. „Ich bin aber stark belächelt, schlecht gemacht und ein bisschen verspottet worden.“ Warum aber, wollen wir von Ruttensteiner wissen, konnte er seine Vision den Entscheidungsträgern nicht verklickern, nicht früher eine schriftliche Version dem Präsidenten nahe legen?

 

"Bei der EM 2008 wurde auf höchstem Niveau gearbeitet."

Weil er sich unter Hickersberger auf dem richtigen Weg wähnte, sagt Ruttensteiner. Hickersberger habe ihn mehr eingebunden und auch Dinge mitentwickeln lassen. Freilich erst nach der Pogatetz-Kritik, die Hickersberger in die Schusslinie brachte.  „In einigen Bereichen haben wir Durchgängigkeit durchaus erzielt. Ich dachte, jetzt sind wir auf dem richtigen Weg. Bei der EM 2008 wurde auf höchstem Niveau gearbeitet.“

 

Ich hake nach und spreche Ruttensteiner auf die wenig durchgängige Spielphilosophie während seiner Amtszeit an. Hickersberger begann im ersten EM-Spiel gegen Kroatien mit sieben defensiv ausgerichteten Spielern. Nach zehn Minuten stellte er, nachdem klar war, dass das Konzept in den Untergang führen würde, auf Offensive um. „Das heißt: Hickersberger wollte grundsätzlich mit einer ganz anderen Ausrichtung in das Turnier gehen als es ihrer Philosophie entspricht.“

 

Ruttensteiner stockt kurz, nickt dabei und sagt kurz und knapp: „Ja, da haben Sie Recht.“

Er streitet nicht ab, dass er sich getäuscht hat, indem er sich auf richtigen Wegen wähnte, die aber im Nachhinein als falsch erscheinen.

„Ich habe mich darüber oft geärgert“, sagt er, „auch jetzt bei der U-20 WM.“

 

Egal. Schwamm drüber. Willi Ruttensteiner hat es auch mit Diplomatie und Loyalität gegenüber seinen Obrigkeiten geschafft, den ÖFB neu zu strukturieren. Auch wenn ihn Modernisierungsverweigerer und seine falsche Bescheidenheit fast daran scheitern ließen. Auch wenn er falsche Wege oft als richtig darstellt – sein Weg der Diplomatie könnte ihm, wenn man die Schwerfälligkeit des ÖFB berücksichtigt, im Endeffekt Recht geben.


Zum Nachlesen - das komplette Interview von 90minuten.at mit Willi Ruttensteiner: "Frenkie Schinkels wird schlecht, wenn er meinen Namen hört"
 

logo_qualitaetsjournalismusHerbert Prohaska predigt jungen Spielern, erst dann ins Ausland zu wechseln, wenn sie in Österreich Leistungsträger sind. Zlatko Junuzovic folgte und hat genau deshalb Probleme im Ausland unterzukommen.

von Gerald Gossmann

 

Transferzeit um Transferzeit dasselbe Spiel. Wechselt Zlatko Junuzovic ins Ausland? Nimmt ein Klub für ihn Geld in die Hand? Jede Transferzeit dieselbe Antwort: Nein. Wenn Junuzovic Glück hat, kommt er nach Ablauf seines Vertrages ablösefrei in Deutschland unter. Wenn es besonders gut läuft, entschädigt ein Klub die Austria noch im Winter mit einer kleinen Ablöse. Wenn Junuzovic Pech hat, wird er dann zur Kaderergänzung bei einem  deutschen Mittelständler, der eben verpflichtet wurde, weil er halt nichts kostete.

 

Ginge es nach Herbert Prohaska, müsste sich Junuzovic der Anfragenflut nicht erwehren können. Er ist Leistungsträger bei einem Spitzenklub in Österreich. Beste Voraussetzungen um ins Ausland zu wechseln. Im Ausland selbst sieht man die Sache aber anders.

 

Arsene Wenger erwähnte bei einem Österreich-Besuch einmal, keine Spieler über 18 zu verpflichten, weil individuell und taktisch nicht mehr formbar. Österreich gilt als taktisches Nachzüglerland. Sprich: Wer einen Spieler aus der heimischen Liga verpflichtet, kann mit ihm möglicherweise beim Einmaleins des Fußballs beginnen. Je länger ein Spieler in Österreich spielt, desto höher die Gefahr, dass sich Abläufe manifestieren. Also lieber Finger weg.

 

Gyuri Garics zum Beispiel kannte vor seinem Italien-Transfer nichts von dem, das er in Italien lernen sollte. Taktikeinheiten waren ihm fremd. Auch Christian Fuchs, Emanuel Pogatetz oder Paul Scharner lobten die Trainingseinheiten im Ausland, die sich gänzlich von jenen bei heimischen Klubs unterschieden. 

 

Rapid-Spieler erzählten nach Pacults Abgang von dessen Taktik-Abneigung, von gänzlich fehlenden Einheiten. Es dürfte demnach kein Zufall sein, dass alle ehemaligen Spieler Pacults in ernsthaften Ligen ihre Schwierigkeiten hatten oder haben. Korkmaz, Hoffer (wurde in Napoli als taktisch schlecht ausgebildet bezeichnet), Maierhofer, Phelivan, Kavlak, Kayhan. Während Spieler, die nie oder nur selten heimischer Trainingsmethodik ausgesetzt waren leichter Fuß fassen. Alaba, Arnautovic, Pogatetz, Harnik und Stranzl. Spieler wie Fuchs, der nach Jahren in Mattersburg den Sprung zu Mainz und von dort zu Schalke schaffte, bleiben die Ausnahme.

 

 

junuzovic_gepaJunuzovic: "Daxbacher lässt uns machen was wir wollen."

Zlatko Junuzovic verrät in der aktuellen Sportwoche: „Daxbacher lässt uns machen was wir wollen. Wenn etwas nicht passt, wird es aufgearbeitet, aber wir haben unsere Freiheiten. Das ist gut für das Spiel, weil du immer weißt, dass du selbst entscheiden kannst und der Trainer steht hinter dir.“ Junuzovic tätigt solche Aussagen in seiner Naivität und im Nichtwissen von professioneller Traingsmethodik. Er spielte bislang ausschließlich in Österreich. Ivanschitz, Pogatetz, Fuchs, Janko & Co. kennen bereits eine andere Fußballwelt, in der es klare Aufgabenverteilungen gibt. Tuchel und Slomka sezieren ihre Gegner, verlangen klare taktische Aufgabenerfüllung. Dazu werden Spieler verpflichtet, die gelernt haben das auch umzusetzen.

 

Hätte Junuzovic also früher den Weg ins Ausland suchen sollen? Um auch taktisch noch formbar zu sein. Herbert Prohaska rät klar davon ab. Zuerst in Österreich durchsetzen, dann ins Ausland. Philipp Prosenik, Toni Vastic, Raphael Holzhauser oder Andreas Weimann gingen trotzdem in sehr jungen Jahren den Weg zu Chelsea, Bayern, Stuttgart und Aston Villa und erhalten dort ihre Ausbildung. In den Topländern des Fußballs. Prohaska führt als Argument dagegen an, dass es schwieriger wäre bei Chelsea in die erste Mannschaft zu wachsen als bei Austria oder Rapid. Mag stimmen. Prosenik, Vastic, Holzhauser oder Weimann würden trotzdem von jedem österreichischen Bundesligaklub mit Handkuss retour genommen werden. Also warum nicht den Sprung ins Ausland riskieren, wenn die Liga ohnehin als Auffangbecken herhält?

 

Zlatko Junuzovic spielt bereits sein halbes Fußballerleben in Österreich, ist heute Leistungsträger bei einem Meisterschaftskandidaten. Das kommt der empfohlenen These des Herbert Prohaska ziemlich nahe. Jetzt soll der Moment für einen Auslandstransfer ideal sein.

 

Junuzovic aber wird die These erst untermauern müssen, dass Alaba, Harnik, Stranzl oder Arnautovic falsch lagen und Prohaska richtig.

 

Lesetipp: Auch die Kollegen von abseits.at haben zeitgliech die Situation analysiert - 5 Gründe warum Zlatko Junuzovic den baldigen Sprung ins Ausland wagen sollte (und wird)...

 

logo_qualitaetsjournalismusAndreas Ivanschitz polarisiert seit jeher. Die einen sind für, die anderen gegen ihn. In Zukunft könnte sich das ändern.

von Gerald Gossmann

Er war Coverboy, Schwiegersohn der Nation, Hoffnungsträger eines ganzen Fußballlandes. Andreas Ivanschitz – mit 16 Rapid-Spieler, mit 19 von Teamchef Hans Krankl zum jüngsten Kapitän der ÖFB-Geschichte erkoren. Ivanschitz – ein Name als Hoffnung auf eine bessere Fußballzukunft. Ein neuer Prohaska. Oder wenigstens ein Herzog. Ein ganzes Land gierte danach.

Ivanschitz auf Magazintitelblättern, Ivanschitz als Testimonial für Computerspiele, Ivanschitz als Gesicht für eine neue österreichische Generation. Das Problem dabei: Die Generation bestand aus ihm alleine. Viel Last auf den schmalen Schultern eines 19-jährigen. Neben Ivanschitz tummelten sich ein stecken gebliebener Michael Wagner, ein spätpubertärer Roman Wallner, ein Roland Kollmann oder ein Gernot Plassenegger. Wenig Glanz – Ivanschitz war die Lichtgestalt. Eine Lichtgestalt, die das österreichische Fußballland erlösen sollte.

Der Wechsel zu Red Bull Salzburg hinterließ erste Schrammen am Image des Hoffnungsträgers. Für die Grün-Weiße Anhängerschar wurde Ivanschitz zum Hassobjekt. Durchschnittliche Leistungen in der Nationalmannschaft ließen die Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden, in Frustration übergehen.

Ivanschitz reagierte beleidigt darauf. Auch als sein Wechsel nach Athen, von Medien und Fans, kritisch beäugt wurde.

 

Nicht mehr Hoffnungsträger, sondern gefangen in einer Selbstfindungskrise

Ein Hoffnungsträger in Athen? Wo doch Barcelona oder Mailand erwartet wurden. Ivanschitz beschwerte sich über geringe Wertschätzung. Sein Panathinaikos-Trainer beklagte seine gering ausgeprägte Selbstkritikfähigkeit. Ivanschitz reagierte wieder beleidigt.

Sein Image wandelte sich vom durchschlagskräftigen Hoffnungsträger zur verhätschelten, opportunistischen Mimose.

Auch im Nationalteam konnte Ivanschitz die Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllen. Niederlage um Niederlage wurde vom Hoffnungsträger, der für Siege sorgen sollte, verteidigt. Schöngefärbt.

Seinem Mentor und Trainervater Hickersberger hielt er sogar die Stange als Emanuel Pogatetz und Paul Scharner zum Verbalangriff ausholten. „Wir gehen ohne taktische Vorgaben ins Spiel. Wie Schüler, die für eine Schularbeit nichts gelernt haben.“ Hickersberger verbannte Scharner und Pogatetz, Ivanschitz forderte gar eine Entschuldigung ein, um als Kapitän Autorität zu zeigen.

Hickersberger verlor weiter Spiel um Spiel. Ivanschitz färbte weiter schön. Wohl auch, weil Pogatetz und Scharner in der Premier Leaque ordentliche Matchvorbereitungen bereits kannten, Ivanschitz noch nicht. Er versuchte krampfhaft seiner Führungsrolle gerecht zu werden, mit der er nie zu Recht kam. Immer diplomatisch, immer Kapitän, immer der Mann zum Anhalten. Aber nicht Ivanschitz. Medien und Fans legten ihm seine Art zu Kommunizieren zunehmend als Provokation aus. Ivanschitz vergaß auf die Mannschaft, nahm seine Rolle, in die er gedrängt wurde, zu ernst. Er war nicht mehr Hoffnungsträger, sondern gefangen in seiner Selbstfindungskrise. Hin und hergerissen zwischen dem Fußballer und der Führungsperson Ivanschitz.

 

Ivanschitz, die Schlüsselfigur der Ära Constantini

Nach seinem Wechsel zu Mainz05 in die Deutsche Bundesliga ging es sportlich wieder aufwärts. Ivanschitz wurde zum Topscorer, war im Blickfeld von Medien und Fans.

Teamchef Constantini verzichtete trotzdem auf ihn und machte Ivanschitz nachträglich zur Schlüsselfigur seiner Ära. Die Demontage des Andreas Ivanschitz durch Teamchef Constantini war Fluch und Segen zugleich. Fluch für Constantini, Segen für Ivanschitz. Die Imagewerte von Ivanschitz kletterten nach jeder seiner Ausbootungen nach oben. Immer steiler. Ivanschitz spielte zwei Jahre keine Minute im Team und ging doch als großer Sieger der Ära Constantini hervor.

Seit drei Spielen ist Ivanschitz wieder Nationalspieler, weniger Hoffnungsträger, was ihm auch gut tut. Gegen die Ukraine standen mit Fuchs, Pogatetz, Prödl, Alaba, Baumgartlinger, Harnik, Arnautovic und Janko nur Legionäre, Stammspieler und Leistungsträger auf dem Platz. Ivanschitz ist jetzt einer von vielen. Die Last, ein Land aus der Krise zu führen, liegt nicht mehr alleine auf seinen Schultern. Was positiven Einfluss auf seine Leistungen haben könnte.

Ivanschitz glänzt heute in der Deutschen Bundesliga, unter einem taktisch versierten Trainer, zuletzt mit einem Treffer und einem Assist beim Sieg gegen Bayern München.

Ivanschitz ist in der großen Fußballwelt angekommen. Ein Haufen anderer österreichischer Kicker auch. Gut für Ivanschitz, der von seiner Last, Fußball-Österreich von seiner chronischen Erfolglosigkeit zu erlösen, endgültig entbunden ist. Gut für die Hoffnungen eines ganzen Landes, das sich auf einen Haufen an Hoffnungsträgern konzentrieren kann.

 

logo_qualitaetsjournalismusDas ÖFB-Team stößt in die Moderne vor und befindet sich international wieder auf Augenhöhe. Egal ob das Spiel gegen die Ukraine verloren wurde. Egal was Herbert Prohaska sagt.

von Gerald Gossmann

Österreich verliert in letzter Minute 1:2 in der Ukraine und Herbert Prohaska analysiert: „Alle Journalisten müssen ihre Berichte in den Papierkorb werfen. Auch wir. Bis zum 2:1 hätten wir gesagt, dass das Debüt von Koller geglückt ist.“ Aber jetzt?

Vor dem Spiel wies der Chefanalytiker des Fußballlandes noch darauf hin, Marcel Koller nicht am Ergebnis messen zu wollen. In vorauseilender Angst, der neue Theoretiker-Teamchef könnte mit einem Sieg Österreichs in der Ukraine den Ruf seiner Praktiker-Haberer endgültig zerstören. Also vorbauen.

 

Eine Niederlage bringt anscheinend andere Voraussetzungen. „Irgendwann ist der Aufbau zu wenig. Spiele, wo du so überlegen bist, musst du gewinnen“, spricht Herbert Prohaska kurz nach Abpfiff. Und dann der Verweis samt Vergleich: ein ähnliches Spiel von Österreich habe er, Prohaska, schon gegen Deutschland gesehen. Unter Constantini. In Rückstand, Ausgleich, später Gegentreffer nach guter Leistung. Die Message: Da hat sich nichts geändert. Constantini und Koller. Kein Unterschied.

 

Aber war da gestern wirklich kein Unterschied zu den Spielen seines Vorgängers?

 

Wohl nur, wenn man, wie Chefanalytiker Prohaska, stur nach dem Ergebnis beurteilen mag.

Österreich verteidigt seit gestern nicht mehr tief im eigenen Strafraum, man verteidigt wie international üblich hoch. Man versucht zu agieren, spielt Pressing, reißt das Mittelfeld an sich, versucht leere Kilometer zu vermeiden, die Formationen kompakt zu verschieben. Da war vieles gestern diametral anders zur Ära Constantini. Auch wenn manches noch sehr holprig wirkte. Auch wenn viele Räume nicht genützt wurden, der Ball zu oft leichtfertig verspielt wurde. Die Spielanlage ermöglicht es, einem Gegner wie der Ukraine auf Augenhöhe zu begegnen. Da versucht eine österreichische Mannschaft das Spiel zu gestalten. Und agiert anstatt zu reagieren. Anders noch als unter Constantini, als sogar bei Heimspielen gegen Aserbaidschan und Kasachstan die Kontertaktik herhalten musste.

 

Herbert Prohaska hält sich trotzdem stur an nackte Zahlen. Und da steht am Ende ein 2:1 für die Ukraine. Das Ergebnis ist negativ, die Leistung ist Nebensache. Anders bei Karel Brückner, der mit einem 2:2 in Italien und einem 3:1 gegen Frankreich startete. Prohaska bemängelte die Spielanlage und verwies auf das Glück, das Österreich bei der Entstehung der Treffer hatte. Ergebnis egal, die Leistung war damals Hauptsache. Prohaska dreht und wendet seine Analysen nach Bedarf.

 

Seine größte Sorge bleibt weiterhin die sinkende Aktie seiner verhaberten Trainergilde. Hat ein Koller Erfolg, dann wird Wissenschaft im Fußball zum neuen Credo erhoben. Nicht gut für einen Haufen an Praktiker-Haberern.

 

Prohaska hielt sich gestern Großteils zurück. Er weiß mittlerweile, dass zu offensiv geäußerte Kritik am Teamchef seine Glaubwürdigkeit beschädigt.

 

Das Einmaleins des Fußballs kommt nach der Ära Constantini einer Reform gleich

 

Man hätte durchaus sachlich kritisieren können, dass Österreichs Team zwar bemüht war das Spiel zu gestalten, zwingende Momente aber Mangelware blieben. Dass viele Räume, die die Ukraine nach dem ersten Treffer zustellte, von Österreich nicht geöffnet werden konnten.
Marcel Koller ist mit Sicherheit kein Wunderwuzzi. Sagt er auch selbst. International sind die Maßnahmen, die der ÖFB und sein Trainerteam jetzt umsetzen, keinen Aufschrei wert. Das ist gängige Praxis. Das mag sogar biederes Einmaleins des Fußballs sein.
Für Österreichs Nationalteam kommen diese Maßnahmen aber einer Revolution gleich.

 

Man hat sich aus dem Niemandsland auf Augenhöhe katapultiert. Innerhalb eines Spieles. Und man kann davon ausgehen, dass auch in einer kommenden WM-Qualifikation gegen Schweden, Irland und Deutschland nicht gleich mit Anpfiff die Segel gestrichen werden müssen. Man wird sich auf Augenhöhe begegnen. Egal zu welchen Schlüssen Herbert Prohaska in seinen Analysen kommt.

 

 

logo_qualitaetsjournalismusDie Arbeitsmethoden des neuen ÖFB-Betreuerstabs zeigen, dass das österreichische Nationalteam jahrelang unprofessionell betreut wurde. Der Paradigmenwechsel ist vollzogen. Die ÖFB- Verantwortlichen rühmen sich. Aber steht ihnen Ruhm überhaupt zu?

von Gerald Gossmann

 

Jetzt wird klar, warum sich die Habererpartie von Altinternationalen vor einem Paradigmenwechsel geängstigt hat. Wenn ein Assistenztrainer im modernen Fußball Sportwissenschaften studiert, Trainer ausgebildet, ein Buch geschrieben und als Journalist gearbeitet hat, vier Sprachen spricht, also über den Tellerrand geblickt hat, dann wird klar, dass ein Manfred Zsak in einem gängigen Bewerbungsverfahren, in einem ernsthaften Fußballland, keine Chance auf irgendeine Funktion hätte. Auch Constantini nicht. Nicht Krankl. Nicht Hickersberger. Was ja auch statistisch belegt ist. Kein österreichischer Coach coacht in relevantem Gebiet. Und jetzt coacht ein Schweizer das ÖFB-Team, weil es an Relevanz gewinnen will. Logisch.

 

ÖFB Präsident Windtner ist stolz auf seinen neuen Vorzeigetrainer. Der neue Teamchef wird von Qualitätsmedien in den Himmel gelobt. Das ist Balsam auf die geschundene Präsidentenseele. Das ist Bestätigung für seine Entscheidung. Unter Constantini war nix mit Lob. Sein Vorgänger Stickler heimste ebenso wenig ein. Zehn Jahre rieben sich Stickler und Windtner die Köpfe. Zig Arbeitskreise versuchten den Stillstand des österreichischen Teams zu ergründen. Ohne Erfolg.

 

Stronach befahl den emotionalen Krankl, Stickler den seriösen Hickersberger, Windtner den Feuerwehrmann mit Schmäh.

 

Marcel Koller wurde nicht nach Wesensmerkmalen bestellt. Er fliegt zu seinen Spielern, erklärt seine Vorstellungen, spricht mit den Klubtrainern, bringt Videos mit, zeichnet, setzt auf sportmedizinische Tests, auf Individualtraining, auf genaue taktische Vorgaben. Sprich: er bringt Leistung. Auch schon vor Vertragsbeginn. Kindercamps hat er keine zu betreuen.

 

Und: In bemerkenswerter Auffälligkeit stehen die Aussagen der Mitglieder des neuen Betreuerstabs konträr zu jenen ihrer Vorgänger, was aufzeigt, dass das Nationalteam über Jahre hinweg nicht ausreichend betreut wurde.

 

Der Constantini – Koller/Schmid/Janeschitz-Vergleich

Constantini sah sich als Alleinherrscher. Ivanschitz, Garics, Arnautovic, Ibertsberger, Stranzl, im Grunde auch Janko, wurden verbannt. Ohne Begründung. Schmid sagt: „Heute ist der Trainer nicht nur Übungsleiter, er hat auch Menschen zu führen und ein ganzes Projekt zu steuern. Das hat sich in den letzten Jahren ganz deutlich verändert.“

 

Constantini hielt Theorie und Taktik für überbewertet. Schmid sagt: „Heutzutage ist ein Fußball-Trainer, der sich nicht mit der Theorie oder im weitesten Sinne mit den Wissenschaften und den Informationen, die im Umfeld vorhanden sind, auseinandersetzt, früher oder später auf verlorenem Posten.“

Koller sagt: Theorie steht immer im Vordergrund. Man muss die Spieler informieren.“

 

Constantini führte die schlechten Ergebnisse auf individuelle Fehler der Spieler zurück. Marcel Koller erklärte nach eingängigem DVD-Studium der Spiele der letzten Jahre: „Es sind Dinge aufgefallen, die wir versuchen müssen zu ändern. Nicht nur individuell, sondern mit dem ganzen Team.“

 

Constantini hielt Marko Arnautovic für zu schlimm für das Nationalteam. Schmid sagt: „Ein Trainer darf sich nicht nur um technisch-taktische Inhalte kümmern. Er hat auch einen großen pädagogischen Auftrag.“

 

Da deckt sich keine Aussage.

 

Missstände werden korrigiert, die selbst verursacht und verschleppt wurden 

Jahrelang erfüllte kein österreichischer Teamchef ein internationales Anforderungsprofil. In Zukunft soll weniger unfreiwilliges Kabarett, dafür aber mehr Inhaltliches geboten werden. Das zeigten die ersten Pressekonferenzen des neuen Betreuerstabs. Das zeigt das erste Training unter Koller. Was international bereits üblich ist, überrascht in Österreich aber immer noch. Ein intellektueller Trainer, noch intellektuellerere Assistenten, ein Facebookaccount.

 

Da ist nichts mehr mit Kartentippeln. Kein Beflegeln von kritischen Journalisten. Da wird jede Frage auf Punkt und Beistrich beantwortet. Auch Fragen nach taktischen Inhalten. Auch mit den Spielern wird gesprochen. Ivanschitz: "Koller spricht sehr viel mit uns, er gibt uns taktische Anweisungen und bietet Lösungsvorschläge an. Ich kenne das von Mainz, wo es ähnlich ist. Das tut dem ÖFB-Team gut."

 

Thomas Janeschitz legt noch nach: „Wir haben das Betreuerteam an ein internationales Niveau angepasst."

 

Präsident Windtner: „Wir hatten die 78er und die 90er. Jetzt sind wir im 21. Jahrhundert angekommen."

 

Zwar mit 10-jähriger Verspätung, scheint aber egal zu sein.

 

Die Verantwortlichen des ÖFB rühmen sich, Missstände ausgeräumt zu haben, die sie selbst verursacht haben und treiben damit unbewusst die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit in die Höhe.

 

Auch wenn man bloß von Unterirdisch auf Augenhöhe gekommen ist. International arbeiten die meisten Nationalmannschaften nicht unähnlich.

 

Die ÖFB-Führung hat Fehler korrigiert.

 

Fehler, die Österreichs Fußball über Jahre hinweg ins Abseits des europäischen Fußballs kickten.

 

Das Gratulieren dazu fällt schwer.

 

logo_qualitaetsjournalismusÖsterreichs Fußball-Analytiker analysieren nicht, sondern betreiben Interessensvertretung. Sie verwechseln persönliche Präferenzen mit sachlicher Expertise. Nicht nur Herbert Prohaska, auch Frenkie Schinkels oder Hans Krankl.
Ein paar Beispiele.

von Gerald Gossmann

Dem neuen Teamchef dürfen ab sofort keine Prügel mehr vor die Füße geworfen werden. Herbert Prohaska appelliert in der aktuellen Ausgabe der Kronen Zeitung an Fans und Experten. Vielleicht auch an seine eigene, bislang überschwänglich geäußerte Kritik. Vielleicht auch nicht. Kurz darauf kritisiert Prohaska die Bestellung Otto Konrads und die Absetzung Franz Wohlfahrts. Begründung führt er dafür keine an. Wohlfahrt steht ihm näher als Konrad. Punkt.

 

Herbert Prohaska erklärt seit Jahren dem österreichischen Volk den Fußball. Als Chefanalytiker des ORF, als Kolumnist der Krone. Breitenwirksamer geht nicht. Er erklärt warum Österreichs Fußball keinen Erfolg hat: Weil zu wenige Spieler im Ausland spielen, weil zu viele Spieler zu früh ins Ausland wechseln, weil Krankls und Prohaskas nur alle hundert Jahre geboren werden, weil Haberer Ogris nichts und niemanden trainieren darf, weil Constantini nur zwei Qualifikationen Zeit bekommt, weil die österreichische Jugend die Playstation dem Käfigkickerl vorzieht.

 

Seine Parolen sind schnell entlarvt. Österreich hat so viele Legionäre wie noch nie. Spieler wechseln zwar vermehrt ins Ausland, die Wege von Arnautovic, Alaba oder Stranzl sprechen aber eher dafür, auch die Wege von Leitgeb oder Junuzovic, auch die Aussage von Arsene Wenger, wonach Spieler über 17 für einen internationalen Topklub nicht mehr formbar seien. Prohaska oder Krankl heißen heute keine Teamspieler mehr. Die Namen Alaba, Janko, Arnautovic, Ivanschitz und Harnik machen aber auch ganz schön was her. Bei der österreichischen Playstationgeneration darf dazu bezweifelt werden, dass es sich um ein österreichisches Phänomen handelt.

 

Die Aussagen von Prohaska ähneln sich: viel Subjektives, wenig Objektives. Viel Propaganda, wenig Faktenuntermauertes. Viel Persönliches, wenig Sachliches.

 

Alltäglicher Analysewahnsinn in Österreich.

 

Der ORF wählt seine TV-Analytiker nach dem Beliebtheitsgrad in der Bevölkerung, nicht aber nach sachlicher Analysefähigkeit aus. Bei Manfred Zsak war weder Beliebtheit noch Analysefähigkeit gegeben. Seine Rolle als Teamchefassistent dürfte sogar unvereinbar mit der des TV-Analytikers gewesen sein. Wieso wurde also gerade Zsak ins Expertenteam des ORF aufgenommen? Der Chefanalytiker des ORF erzählt gerne ungeniert, dass er gelegentlich gute Worte für gute Freunde einlegt. Zsak ist ein guter Freund. Das könnte ein Grund sein, auch wenn die Unschuldsvermutung gilt. Zsak wurde als Analytiker mittlerweile abgesetzt. Wegen Interessenskonflikten. Neben Prohaska sollen seitdem Schinkels und Mählich Stimmung machen. Egal ob sie ihre Thesen mit Fakten untermauern. Der Schmäh zieht beim Publikum.

 

Schinkels ist kein „Computermann“, aber sein eigener Interessensvertreter

Frenkie Schinkels kritisierte nach dem ersten Wiener Derby der Saison die Arbeit von Peter Schöttel. Zu viel Hightech, Technikkram und Computerzeugs werde bei Rapid verwendet. Seine Botschaft verpackt er in flapsige Wortkonstrukte, die ankommen beim Publikum. Entschieden werden Fußballspiele nicht mit Hightech, sondern am Platz. Kombinationen und ein gutes Angriffsspiel seien effektiver als das ganze Technikzeugs, das im Vorfeld den Zufall minimieren möchte.

 

Letztens saß Frenkie Schinkels am Stuhl der Promimillionenshow, mit seinen flapsigen Sprüchen hat der Holländer Kultstatus erlangt, auch Promistatus, der ihn in Sendungen wie die Promi-Millionenshow bringt.

Die Einstiegsfrage lautete: Ein Computer kann…?

a) umkippen b) hinfallen c) abstürzen oder d) ausbrechen

Schinkels überlegte, lief rot an, flüsterte: c) abstürzen. Sicher war er sich nicht. „Mehr Selbstvertrauen“, forderte sein Partner Gerold Rudle. „Ich glaub abstürzen – aber ich bin kein Computermann“, versuchte Schinkels zu rechtfertigen.

 

Schinkels kann eine einfache technische Frage nicht beantworten, weil er von Technik nichts versteht. Mag so sein. Würde aber seine Kompetenzen in einem zunehmend technisierten, Fußballumfeld grob einschränken. Wer keine Technikaffinität mitbringt, der eigene Berufsstand zeitgleich aber immer technikaffiner wird, der bekommt schnell Probleme. In seinen Fußballanalysen greift Schinkels deshalb Hightech an. Nicht aber weil technische Hilfsmittel der heutigen Zeit dem Fußball schaden würden. Nicht, weil er klare Argumente  gegen Hightech im Fußball anführen kann. Nein. Schinkels fühlt sich von der Entwicklung des Fußballs, die viel Hightech beinhaltet, bedroht. Ein Durchsetzen von technischem Fortschritt im österreichischen Fußball würde ihm seine Existenzberechtigung nehmen. Es würde eine Fortbildung verlangen, ein Umdenken. Kurz gesagt: Viel Arbeit würde anstehen.

 

Also Hightech verteufeln, öffentlich, getarnt als Experten-Analyse im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

 

Matthias Sammer erklärt CL-Fußball auf Sky. Fundiert, sachlich, objektiv, unter Einbeziehung des modernen Fußballs, dessen Entwicklung Sammer im DFB vorantreibt.

Im Sinne des Deutschen Fußballs. Nicht im Sinne der nicht Lernwilligen.

 

Prohaska, Schinkels & Co. versuchen Fortschritt zu verhindern, im Sinne ihrer Trainerhaberer, im Falle von Schinkels auch in seinem eigenen Interesse. Im Sinne seiner eigenen Fortbildungs- und Lernunwilligkeit. Nicht die sachliche Analyse steht im Vordergrund, sondern das Abwiegen von Worten die schaden oder nützen können.

 

Hans Krankl analysiert nicht, er begleicht alte Rechnungen

Da taucht Hans Krankl, als Sky-Experte, schon mal mit einem Ultras-Kapperl zur Analyse eines Rapid-Spiels auf. Zu einer Zeit, als er es darauf anlegte, als bezahlter Präsident bei seinem Herzensklub einzureiten. Edlinger und Schöttel verhinderten seinen Einzug. Wenn Hans Krankl heute in Boulevardblättern die Arbeit des Rapid-Trainers Peter Schöttel kritisiert, dann also nicht weil er seinen Worten ein fachliches Fundament zugrunde legt, sondern weil eine persönliche Diskrepanz zu Schöttel besteht. Also wieder keine objektive Kritik, sondern eine zutiefst subjektive. Hans Krankl analysiert nicht, er begleicht alte Rechnungen.

 

Herbert Prohaska ist also nicht der einzige, der Interessensvertretung und das Aussprechen persönlicher Präferenzen mit sachlicher, fachlicher Analyse verwechselt. Es ist eine ganze Generation von Ex-Spielern.

 

Herbert Prohaska wird beim Länderspiel gegen die Ukraine das erste Spiel des Schweizers Marcel Koller analysieren. Brisant dabei: So vehement wie Prohaska hat sich im Vorfeld kein anderer Ex-Kicker gegen die Bestelltung Kollers gelehnt. Kein anderer hat Willi Ruttensteiner so vehement sein Misstrauen ausgesprochen (Prohaska fühlt sich von Ruttensteiner übergangen, weil der Marko statt Ogris - für den Prohaska bei ihm intervenierte – zum U-19 Teamchef bestellte). Österreich wird am 15. November auf die  Ukraine treffen. Mit Spannung erwartet wird aber die Analyse des Chefanalytikers, der sich einem ganzen Netzwerk als Interessensvertreter verpflichtet fühlt.

 

Linktipp: Prohaska: Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Prügeln werfen 

 
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